Irgendwo muss man beginnen
18. Januar 2012 · Von ulp · Rubrik: Aktuell, Gesellschaft, PolitikDer Beitrag „Politphilosophinnen erobern die Bühne“ bei Zoon Politicon ist etwas irreführend, weil es nicht so ist, dass Philosophinnen auffallend häufig die Szene der Politik betreten. Auch ihre männlichen Kollegen fallen in dieser Beziehung nicht besonders auf.
Es braucht Prämissen, Deutungen und Folgerungen
Trotzdem möchte der „Bürger-Herold“ den Beitrag empfehlen. Denn der Beitrag selbst wirft ein paar Fragen auf und gleichzeitig verweist Claude Longchamp auf zwei jüngere Philosophinnen hin, die sich recht offen auf eine Politikkritik einlassen. Im vorletzten Abschnitt schreibt Longchamp:
Für mich als Politikwissenschafter wirkt beides etwas irritierend: Letztlich sind das streitbare Prämissen, die diskutiert gehören, nichgt aber als Rahmung für Deutungen oder Folgerungen unterstellt werden dürften.
Gewiss, wenn man das Interview mit Katja Gentinetta bzw. den Beitrag von Regula Stämpfli liest, dann findet der Leser jede Menge streitbare Prämissen und Deutungen bzw. Folgerungen vor. Aber genau darin liegen ja gute Argumente, um aus Prämissen und Deutungen eine vernünftige Folgerung abzuleiten.
Warum irritierend?
Es heisst noch lange nicht, dass die beiden Philosophinnen in jedem Punkt recht haben. Dasselbe gilt auch für andere Philosophinnen und Philosophen. Jedenfalls findet der „Bürger-Herold“ das, was Gentinetta bzw. Stämpfli sagen, keineswegs irritierend.
Als Leser stehen stehen uns zwei Optionen zur Verfügung: Einerseits können wir zum Einverständnis die Standpunkte abnicken oder zur Ablehnung den Kopf schütteln. Oder wir entwickeln Gegenargumente mit neuen oder abgeänderten Prämissen, Deutungen und Folgerungen. Zwingend sind sie nicht, aber Podiumsdiskussionen, wie Claude Longchamp vorschlägt, können sehr hilfreich sein und manche Fragen klären. Aber, und das ist für den „Bürger-Herold“ der springende Punkt, von irgendwo her müssen die ersten Anstösse kommen, bevor man ein Thema in eine Podiumsdiskussion packt.
Danke, Bürger-Herold.
Das mit den Prämissen geht in Ordnung, sonst hätte ich das Thema wohl nicht aufgegriffen.
Dennoch, was mich irrtierte: Dass man den Auftritt ermöglichte, wie ihn bei andere Gelegenheit Experten haben, ohne dass die Prämissen diskutiert wurden.
Das kommt wohl nur im Dialog zum Vorschein, nämlich dann, wenn man oder frau sich gegenseitig kritisieren.
Deshalb wäre das Streitgespräch die angemessenere Form, die Deutungen (oder Diagnosen), die gegeben werden, zu klären.
Da sind wir uns dann einig.