Salzburg ohne Jean Ziegler
25. Juli 2011 · Von ulp · Rubrik: Aktuell, Armut, Gesellschaft, KulturZweifelsohne gehören die Salzburger Festspiele, die vom 27. Juli bis zum 30. August 2011 stattfinden, zum Kulturgeschehen. Gleichzeitig sind die Festspiele auch ein Ereignis der Schickimicki- und Bussi-Bussi-Gesellschaft, die eine kritische Kost nicht gut verträgt. Wurde deshalb Jean Ziegler, früherer UN-Sonderbeauftragter, ausgeladen, weil er mit kritischer Kost nicht geizt?
Zensur auf Verdacht hin?
Übermorgen beginnen die Salzburger Festspiele, in deren Programm auch “Jedermann” steht, das Spiel vom Sterben des reichen Mannes. Eigentlich ist das Stück ein bisschen mit Jean Zieglers Anliegen verwandt. Er, der in Salzburg die Eröffnungsrede halten sollte, wurde wieder ausgeladen. Aber dies ist schon ein paar Monate her. Dazu schrieb die “Zeit” im April 2011:
Aber dann hat Gabi Burgstaller Jean Ziegler plötzlich wieder ausgeladen – wegen Muammar al-Gadhafi. Zu dem libyschen Machthaber wird dem Schweizer seit Jahren eine gewisse Nähe nachgesagt.
Jedenfalls ist es zweifelhaft, ob dies der wahre (gesuchte) Grund ist. Vielmehr vermutet der “Bürger-Herold”, dass der Grund in der Thematik Zieglers (Globalisierungskritik) zu suchen ist. Und seine Themen passen eben nicht so gut zum Schickimicki-Bussi-Bussi-Sposoren-Geschehen. Oder anders ausgedrückt: Zieglers Rede wurde bereits im Vorfeld auf Verdacht hin zensiert.
Jean Zieglers Eröffnungsrede findet in Salzburg also nicht statt, wenigstens nicht offiziell. Inoffiziell gibt es sie, und sie wird, was zu vermuten ist, ein breiteres Lesepublikum via Süddeutsche Zeitung finden. “Sehr verehrte Damen und Herren”, so beginnt Zieglers nicht gehaltene Rede,
alle fünf Sekunden verhungert ein Kind unter zehn Jahren. 37.000 Menschen verhungern jeden Tag und fast eine Milliarde sind permanent schwerstens unterernährt.
Sind diese wenige Zahlen nicht beschämend genug, während zweistellige Milliardenbeträge in dubiose Finanzmärkte und fehlbare Banken gepumpt werden?