Zur Kenntnisnahme
19. Dezember 2009 · Von ulp · Rubrik: Aktuell, Politik, UmweltDer Kopenhagener Klimagipfel hat sich bis auf die Knochen blamiert. Und was ist geblieben?
Nicht das Papier wert
Geblieben ist ein schäbiges Copenhagen Accord, das es verbindlich unverbindlich zu Kenntnisnahme geschafft hat[1]. Dazu bleiben in Erinnerung eine prügelnde Kopenhagener Polizei, eine Schar schwadronierender Staatschefs und die Klimakanzlerin und –königin Angela Merkel, die definitiv weder noch ist. Gewonnen hat keiner, verloren haben alle, denn die “zur Kenntnisnahme” ist nicht einmal das Papier wert!
Wenn der “Spiegel” seinen Beitrag nit Kläglicher Kompromiss verhindert totales Scheitern betitelt, so meint der “Bürger-Herold”, dass der Kompromiss viel mehr als kläglich ist und dass der Gipfel im Prinzip gescheitert ist. Dies alles zu Kenntnisnahme, obwohl die Welt bereits vor Jahren die negativen Klimaveränderungen wahrgenommen hat. Wenn während des Gipfels noch die 2° C-Grenze für den globalen Temperaturanstieg ihr Dasein fristete, um hier nur einen Punkt herauszugreifen, dann ist in der Vereinbarung (Seite 1) nur noch von unter 2° C die Rede ist, angeblich gemäss wissenschaftlicher Sicht. Am Freitag wurde dem Guardian ein Kompromissdokument zugespielt, in dem es noch “sollte 2° C nicht überschreiten” hiess.

Bürgerholde Kritzelei: Geschlagenes Klima, geschlagene Hoffnung (© Bürger-Herold)
Alle haben versagt
Es stimmt nicht, wenn es im “Spiegel”-Beitrag heisst (Textauszeichnung vom “Bürger-Herold”),
Das Papier enthält die zentrale Forderung Deutschlands: Die Erwärmung der Erde soll auf weniger als zwei Grad im Vergleich zu vorindustrieller Zeit begrenzt werden.
Die Forderung war die 2° C-Grenze – insofern ist die angebliche Klimakanzlerin entweder umgekippt oder das, was der “Spiegel” schreibt, ein Märchen[2][3].
Klar, auf dem Gipfel haben mehr oder weniger alle versagt, der Welt wenigstens ein vernünftiges Paper zu präsentieren. Aber wenn man Entwicklungs- und Schwellenländer denGrossverursachern aus West und Ost[4] gegenüberstellt, so sitzen Erstere am kürzeren Hebel, was die Durchführung von Massnahmen anbelangt. Dass Entwicklungs- und Schwellenländer nicht mithalten wollen (oder können), ist durchaus nachvollziehbar, zumals die Kanzlerin kritisiert, “die Schwellen- und Entwicklungsländer seien noch nicht bereit, nationale Kompetenzen abzugeben” (Klimaverhandlungen: Reaktionen auf den Kopenhagen-Gipfel). Will Merkel deren nationale Kompetenzen übernehmen?
Fussnoten: