Stolz auf Kriegsbotschafter?

14. November 2009 · Von · Rubrik: Politik, Weltkonflikte

Der deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) wirft sich in Schale und erzählt in Afghanistan das Blaue vom Himmel. Kann man noch mehr sinken?

Verlogene “moralische” Aufrüstung

Ein Glück hat der “Bürger-Herold” eine guten Magen, der sich nicht bei jedem Holper dreht. Aber wenn man dies in der Süddeutschen Zeitung liest, dann wird unser Magen doch arg beansprucht. Die Zeitung über den deutschen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg:

Der deutschen Bevölkerung müsse vermittelt werden, dass Soldaten ihre Aufgabe mit “hoher Professionalität, aber auch mit Herz reißen”. Die Soldaten seien Botschafter des Landes. “Ich glaube, dass unser gemeinsames Vaterland auf sie stolz sein kann. Ich bin es zumindest”, betonte der Minister. Für ihn selbst sei sein neues Amt ein “Herzensanliegen”.

Wir meinen, die Bürger sollten sich davor hüten, sich solchen Propagandaschmäh vermitteln zu lassen. Kriegshandwerk funktioniert anders.

Schöntuerei vom schönen Mann

Was soll die Guttenbergsche Schöntuerei? Im Prinzip dient dies nur der “moralischen” Aufrüstung der Bundeswehr in Afghanistan. Aber dort herrscht Kriegszustand, ob das Guttenberg passt oder nicht.

Doch wie sieht die “hohe Professionalität” aus? Sie ist auf mögliche Kriege ausgerichtet, beinhaltet den Umgang mit allen möglichen Kriegswerkzeugen und –strategien. “Aber auch mit Herz reißen”, sagt der Kriegsminister. Aber das “Herz reissen” beschränkt sich mehrheitlich auf Befehlsempfang, d. h. die Abrichtung auf Dinge, die der Soldat ohne Wenn und Aber zu tun hat (hier findet der Leser ein paar Schillerzitate).

In Afghanistan sind sie Kriegsbotschafter

Wenn Guttenberg von “Botschaftern des Landes” spricht, so hat Karl-Theodor vermutlich gestylte und immer frohe Truppen im Auge, die ohne Kampf im fremden Land mit Jubel empfangen werden. Richtigerweise sind es Kriegsbotschafter, die eine andere Sprache sprechen als bei Botschaftern der Fall ist. Guttenbergs Vorstellungen gibt es höchstenfalls in Operetten, in denen Karl-Theodor den Operetten-Kriegsminister spielt.

Guttenbergs Stolz auf die Truppen ist, so ist das seine persönliche Angelegenheit. Das “Vaterland” sollte sich gut überlegen, ob es nicht etwas Besseres als Stolz auf die Truppen gibt. Das Vaterland ist ebenso fernab aller kriegerischer Geschehen in Afghanistan wie es Guttenberg und seine Politiker-GmbH sind. Genau darum sollten die Bürger dem politischen Wischiwaschi keinen Glauben schenken oder wenigstens sehr kritisch überprüfen.

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