Gott für alles
9. November 2009 · Von ulp · Rubrik: WirtschaftLloyd Blankfein, Chef von Goldman-Sachs, gibt ein Mantra von sich, wie wir aus dem langen Beitrag der “TimesOnline” entnehmen: Banken geben den Unternehmen Kapital, Unternehmen wachsen und schaffen Wohlstand, daraus entstehen Jobs, die dann für noch mehr Wachstum und Wohlstand sorgen.
Die Geldmaschine
Bei TimesOnline von gestern findet jeder Leser die Story über den selbsternannten Gottesarbeiter. Und was sagte Lloyd Blankfein, Chef von Goldman-Sachs?:
"We help companies to grow by helping them to raise capital. Companies that grow create wealth. This, in turn, allows people to have jobs that create more growth and more wealth. It’s a virtuous cycle."
Vom “Bürger-Herold” übersetzt von Seite 1 der Online-Ausgabe:
“Wir helfen Unternehmen zu wachsen, indem wir ihnen helfen, ihr Kapital zu erhöhen. Unternehmen, die wachsen, schaffen Wohlstand. Dies wiederum erlaubt es Menschen Jobs zu haben, die weiteres Wachstum und weiteren Wohlstand schaffen. Es ist ein positiver Zyklus”
Lloyd Blankfein gibt ein Mantra von sich, wie wir aus dem langen Beitrag entnehmen, als wenn Banken die Maschine für Wachstum und Wohlstand wären. Wer es glauben will, meint der “Bürger-Herold”, sei selig, aber nach unserem Kenntnisstand will Goldman-Sachs wie jede andere Bank nichts anderes als Geld verdienen. Und zwar sehr viel, als Geldverleiher oder als Anlegerobjekt. Ja gut, Banken haben immer ein spezielles Eigenverständnis
Gott kommt ins Spiel
Weiter heisst es im Originalbeitrag: “We have a social purpose.” Übersetzt: “Wir haben einen gesellschaftlichen Zweck” (oder sozialen Zweck). Wir betrachten es als Ansichtssache. Nur: die Finanzkrise zeigt, dass man unter einem gesellschaftlichen Zweck sogar “Raubrittertum” verstehen kann. Der Hammer dann auf Seite 4 der Online-Ausgabe:
He is, he says, just a banker "doing God’s work".
Er [Blankfein] sei nur ein Banker, der “Gottes Werk” verrichte. Ist doch toll, was man unter Gottes Werk verstehen und wie man sich dahinter verstecken kann. Na ja, ein Glück ist Gott eine persönliche Angelegenheit. Oder Lloyd Blankfein hat eine satirische Ader, deren Lacheffekt noch zu finden wäre. Die Financial Times Deutschland meint, das Interview sei Teil einer Imagekampagne von Goldman Sachs.