Drohgebärden statt Dialoge
18. März 2009 · Von ulp · Rubrik: PolitikVon Machtpolitikern, so auch von Peer Steinbrück, ist man bekanntlich gewöhnt, dass sie sofort eine Drohgebärde annehmen, wenn ihnen etwas nicht passt.
| Reaktionen auf tiefem Niveau |
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| Steinbrück schlägt mit unseligen Vergleichen verbal zu, und wird prompt von einem Boulevard-Blatt als “Bettvorleger” bezeichnet[1]. Einige der Schweizer Politiker schlagen auf gleichem Niveau verbal zurück, nämlich auf einem tiefen[2][3], wie unter anderem die heutige nationalrätliche Sitzung stellenweise zeigte.
Das Niveau im Kampf der Dummheiten zog der CVP-Nationalrat Thomas Müller, Jahrgang 1952, in der Debatte am weitesten nach unten: Steinbrück “erinnert mich an jene Generation von Deutschen, die vor sechzig Jahren mit Ledermantel, Stiefel und Armbinde durch die Gassen gegangen sind”[4]. Wie man sieht, sind die Gespräche unter Freunden ins Stocken geraten, stattdessen führen ein paar Wildgewordene einen Krieg unter Freunden. |
Ist der Finanzminister das Problem?
Steinbrück definiere das Bild des hässlichen Deutschen neu, schreibt heute der Tages-Anzeiger[5]. Dem beizupflichten hiesse für den “Bürger-Herold” all jenen nachzufolgen, denen am Feindbild des “hässlichen” Deutschen gelegen ist. Dies gilt auch umgekehrt, wenn Deutsche ihr Feindbild vom “geldgierigen” Schweizer hätscheln wollen. Jedenfalls kann der “Bürger-Herold” damit nichts anfangen. Zur Zeit ist die Aufregung in der Schweiz gross[6][7], als wenn Peer Steinbrück (SPD), deutscher Finanzminister, in ein Wespennest gestochen hätte.
Ärgerlich ist daran, dass Peer Steinbrück zu jener Politikersorte gehört, die nicht in der Lage ist, sich intelligent zu äussern. Sie greifen zu Vergleichen, auf die Politiker wie Steinbrück noch stolz sind, die sie entweder nur vom Hörensagen kennen oder die tatsächlich so gemeint sind. Es ist unerheblich, ob Steinbrück für markante Sprüche bekannt ist, entscheidend ist doch, welche Botschaften bzw. Inhalte er vermittelt.
Peinlich, peinlich
Steinbrücks Peinlichkeit im Wortlaut, der in manchen Medien nicht richtig wiedergegeben worden ist:
[...] Dass eine solche Liste erarbeitet werden könnte, ja das ist (… nicht verständlich …), die wir haben. Ja, oder umgangssprachlich formuliert die 7. Kavallerie in Fort Yuma, die man auch ausreiten lassen kann. Aber die muss man nicht unbedingt ausreiten. Die Indianer müssen nur wissen, dass es sie gibt. So, und wenn das alleine schon Nervösität hervorruft bei denjenigen, die sagen, oh komme ich auf diese Liste, ja dann kommt da ja richtig Zug in den Kamin. [...]
| Steinbrück und die 7. Kavallerie |
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| Quelle: SF Schweizer Fernsehen |
Na ja, die Schweizer als Indianer zu bezeichnen, ist ja nicht die Schmach. Doch die Verbindung zur 7. Kavallerie, die mit Fort Yuma nichts zu tun hat, US-geschichtlich gesehen gegen die Indianer kämpfte und diesen das Leben schwer machte, nimmt dadurch eine unhaltbare Dimension an. Und welchen Stellenwert der Kamin bei Steinbrück einnimmt, entzieht sich ebenfalls unserer Kenntnis. Freudsche Versprecher von Steinbrück? Darüber kann man spekulieren.
Steinbrücks Schwäche
Steinbrück nennt den Kavallerievergleich “umgangssprachlich”, wahrscheinlich meint er aber eine Analogie aus dem Bereich der Kriegsschauplätze. Der Vergleich hat weder Hand noch Fuss, ist auch nicht harmlos. Von Machtpolitikern, so auch von Peer Steinbrück, ist man bekanntlich gewöhnt, dass sie sofort eine Drohgebärde annehmen, wenn ihnen etwas nicht passt. Der vorläufige Rest besteht dann meistens aus Schubladenargumenten, aus Puzzle-Elementen falsch zusammengesetzt. Es sind nur Psychotricks, damit solche Leute wie Steinbrüch Aufmerksamkeit erhalten.
Jedenfalls zeigen solche Äusserung an, was sich im Kopf des überheblichen, sich stark fühlenden Finanzministers abspielt. Doch in Wirklichkeit ist seine Stärke, an die er glaubt, eine Schwäche. Auf diese Art kann man die Probleme nicht lösen. Die Lösung der anstehenden Probleme – international und mit der Schweiz – ist unverzichtbar. Auf Peer Steinbrücks Art kann man gut und gerne verzichten, aber das wird sich im kommenden Herbst bei den Bundestagswahlen wahrscheinlich von selber lösen.
Fussnoten:
Hallo liebe Schweizer,
bitte nicht vergessen, die Indianer waren die Guten.
Viele Grüsse aus Deutschland von Einem, der sich seinen sogenannten Volksvertreter leider nicht aussuchen kann.
JoyRider
http://www.protest-blog.de