Dreister Gottesmann

27. Februar 2009 · Von · Rubrik: Kultur

Es braucht schon Dreistigkeit, den Eindruck zu erwecken, bis vor 20 Jahren sei der Holocaust nicht bewiesen worden.

Spiel der Worte

Die Nachricht, der Holocaust-Lügner Richard Williamson habe sich für seine Lügen entschuldigt, ging schnell durch die Welt. Doch eigentlich ist es nur ein Spiel der Worte. Williamson schreibt in seiner Erklärung:

[...] Im schwedischen Fernsehen habe ich nur die Meinung (… „Ich glaube“, … „Ich glaube“…) eines Nicht-Historikers geäußert, eine Meinung, die sich vor 20 Jahren auf Grundlage der damals verfügbaren Beweise herausgebildet hat und seither selten in der Öffentlichkeit geäußert worden ist. [...]

Es braucht schon Dreistigkeit, den Eindruck zu erwecken, bis vor 20 Jahren sei der Holocaust nicht bewiesen worden (Memory of the Camps). Williamson ist also nicht nur ein Holocaust-Leugner, sondern gleichzeitig ein Lügner der Beweislage vor zwanzig oder mehr Jahren. Dies kann nur bedeuten, dass sich Williamson lediglich auf leugnerische Quellen beruft beziehungsweise beweisende Quellen ignoriert[1][2][3]. Das Wort “Holocaust” oder “Juden” kommt in der Erklärung kein einziges mal vor. Doch auch “Ich bitte alle, die sich aufgrund meiner Worte aufrichtig entrüstet haben, vor Gott um Vergebung” ist keine Entschuldigung.

Die Organisation “Zenit”[4], zu deren Gründern die erzkonservative “Legion Christi”[5] gehört, ist im Verbreiten von Meldungen sehr schnell. Sehr schnell auch der Vatikan-Sprecher Federico Lombardi, der meint, Williamsons Erklärung sei nicht ausreichend. Und ausserdem sei seine Erklärung nicht an den Papst gerichtet[6][7]. Wie bitte? Williamson hatte sich im schwedischen Fernsehen nicht an den Papst gerichtet, sondern er hat die Welt belogen[8][9][10][11].

Fussnoten:

  1. Irving v. Lipstadt
  2. The Holocaust History Project
  3. Holocaust. Die Geschichte der Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden
  4. Die Welt von Rom aus gesehen
  5. Legion Christi
  6. Vatikan: Williamson- Entschuldigung unzureichend
  7. Wo bleibt das Papst-Machtwort?
  8. In den Schoss …
  9. Katholisches Krisenmanagement
  10. Seltsames Rumeiern
  11. Illusion einer Trennung

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