Daumen rauf, Daumen runter

17. Februar 2009 · Von ulp · Rubrik: Gesellschaft, Politik

Geburten: Die deutsche Familienministerin Ursula von der Leyen stützt sich auf Statistiken der ersten neun Monate von 2008 und 2007. Und jetzt muss der “Bürger-Herold” ihr die Stütze wegnehmen, denn im Vergleich der ersten zehn Monate ergibt sich ein völlig umgekehrtes Bild.

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Monatliche Entwicklung der Geburten in Deutschland (Quelle: Destatis)

Diebische Leyen-Freude

Die deutsche Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) ist schnell zur Stelle, wenn sie im statistischem Zahlenmaterial einen Hauch des Positiven sieht, um anschliessend sich selber zu loben. Jüngst wieder die Leyenschen Freudensprünge: Es gibt wieder mehr Kinder – sagt sie und sagt die Statistik. Ob dann ihre Schlüsse, diese geschehe wegen ihrer Familienpolitik, einen Sinn ergeben, steht auf einem anderen Papier. Die Medien haben genug geschrieben, so dass wir nicht unbedingt alles wiederholen müssen[1][2][3][4].

Vor etwa 9 oder 10 Monaten freute sich Ursula von der Leyen diebisch, indem sie davon überzeugt war, dass Geburtenziffer für 2007 deutlich über 1,4 gestiegen sei[5]. Eingetroffen ist dieses Ereignis nicht, denn laut abschliessender Regierungsstatistik betrug die deutsche Geburtenziffer für das Jahr 2007 1,370 (2006 = 1,331)[6][7]. Tatsächlich sind die Geburten im Jahre 2007 gegenüber 2006 um 12’138 auf 684’862 gestiegen, was einer Steigerung von 1,8 Prozent entspricht, wie die entsprechende Statistik (XLS-Tabelle) aussagt. Das Jahr 2007 eine Wende? Eher eine Umkehr, keinesfalls eine Trendwende.

Neun und Zehn – Plus und Minus

Das letzjährige Leyen-Theater (siehe vorhergehender Absatz) wiederholt sich, diesmal ein paar Monate früher[8]. Eine endgültiges Ergebnis für 2008 liegt zwar nicht vor, aber Ursula von der Leyen jubelt erneut, denn in den ersten neun Monaten von 2008 seien die Geburten im Vergleich zu den ersten neun Monaten des Jahres 2007 um 3’397 gestiegen. Das entspricht einer Steigerung von 0,66 Prozent. Die statistischen Zahlen stimmen, wie man dieser Statistik entnehmen kann, jedoch ist von der Leyens Jubel falsch. Warum? Die Antwort ist aus Aktualitätsgründen einfach:

Von der Leyen stützt sich auf die ersten neun Monate von 2008 und 2007. Und jetzt muss der “Bürger-Herold” ihr die Stütze wegnehmen, weil sich im Vergleich der ersten zehn Monate ein völlig umgekehrtes Bild ergibt: In den ersten zehn Monaten von 2008 sind die Geburten im Vergleich zu den ersten zehn Monaten des Jahres 2007 um 4’304 gesunken. Das entspricht einer Abnahme von 0,74 Prozent. Ursula von der Leyen kann nichts dafür, wenn die Neun- oder Zehn-Monatsvergleiche – solche Vergleiche findet der “Bürger-Herold” ohnehin nicht sehr sinnvoll -  von Positiv in Negativ umschlagen. Dem “Bürger-Herold” geht es um den Jubel von Ursula von der Leyen, der völlig daneben liegt – das ist Irreführung. Entscheidend ist das gesamte 2008-Ergebnis, das noch nicht vorliegt.

Fussnoten:

  1. Familienreport 2009: Deutsche bekommen mehr Kinder
  2. Von der Leyen: „Wenn die Wirtschaft wankt, hat die Familie Konjunktur…“
  3. Geburten: Tom Buhro-Tagesthemen, SpiegelOnline, BILD und eine Reihe anderer Medien erweisen sich wieder als Teil der PR-Industrie
  4. “Babyboom” & “Neue Väter”: Die statistischen Tricks der Ursula von der Leyen
  5. Stürmisches Jahr
  6. Kinderzahl je Frau – zusammengefasste Geburtenziffer
  7. Doch nicht so stürmisch
  8. Familienreport 2009

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4 Kommentare
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  1. [...] Neun-Monate-Vergleichs dürfte weiter schwinden, wie der “Bürger-Herold” bereits in Daumen rauf, Daumen runter (1. Ausgabe) berichtet hat. In den ersten elf Monaten von 2008 sind die Geburten im Vergleich zu [...]

  2. [...] des Neun-Monate-Vergleichs dürfte weiter schwinden, wie der "Bürger-Herold" bereits in Daumen rauf, Daumen runter (1. Ausgabe) berichtet hat. In den ersten elf Monaten von 2008 sind die Geburten im Vergleich zu [...]

  3. [...] Daumen rauf, Daumen runter – 1. Ausgabe [...]

  4. [...] Daumen rauf, Daumen runter (1) [...]