Höchster Rettungseinsatz
16. Februar 2009 · Von ulp · Rubrik: WirtschaftInternationale Rettungspakete: Durchschnittszahlen sagen etwas aus, aber nicht viel. Noch weniger sagen solche Zahlen aus, wenn man verzerrende Bezugspunkte wählt.
Hohe Rechnung für schlechte Lieferungen
Der Einsatz zur Rettung der Weltwirtschaft ist sehr hoch, er sei “die teuerste Rechnung aller Zeiten”, schreibt die Neue Zürcher Zeitung (online):
[...] Würde sie unter der Weltbevölkerung aufgeteilt, müsste sich jeder Bewohner mit 1665 Franken daran beteiligen. Bisher haben weltweit 37 Staaten, die EU sowie der Internationale Währungsfonds Rettungsmassnahmen für Banken und andere Firmen in der Höhe von 11 324 Milliarden Franken beschlossen. [...]
11’324 Milliarden Franken entsprechen“18 Prozent des globalen Bruttosozialprodukts von 2007″. Weiter kann man dem Beitrag entnehmen, dass davon 40 Prozent auf die USA entfallen, weitere 40 Prozent auf Europa. Dabei steht mit der “teuerste Rechnung aller Zeiten” noch alles in den Sternen, weil niemand weiss, wie die Finanz- und Wirtschaftskrise ausgeht.

Vergleiche (rote Linien) - umgerechnet in Euro: Bruttosozialprodukte und Rettungspakete - die auf die USA entfallende Rettungspakete entsprechen rund 28 Prozent des amerikanischen Bruttosozialproduktes (ähnliche Grössenordnung für Europa - realer wären die Vergleiche zum Steueraufkommen (© ulp - Quellen: wie im Text angegeben)
Durchschnittszahlen sagen nicht viel aus
Mit Durchschnittszahlen kann man sehr viel anstellen. Man könnte die Gesamtsumme von 11’324 Milliarden Franken, falls sie stimmt, beispielsweise auf die weltweite Ameisenbevölkerung beziehen und so eine Durchschnittszahl errechnen. Natürlich ist letzteres absurd. Durchschnittszahlen sagen etwas aus, aber nicht viel. Noch weniger sagen solche Zahlen aus, wenn man verzerrende Bezugspunkte wählt.
Alle reden von der Weltwirtschaft, aber die Rettungsaktionen dienen mehr einzelnen, wirtschaftlich starken Ländern oder Regionen als der gesamten Welt. Der “Bürger-Herold” verzichtet im Moment auf die Zahlen von Europa, weil es sich um viele und unterschiedliche Länder handelt. Darum bleiben wir beim Beispiel USA. Die USA hatten 2007 ein Bruttosozialprodukt (Bruttonationaleinkommen) von umgerechnet 16’124 Milliarden Franken (13’886 Milliarden Dollar)[1][2][3].
Ein paar andere Relationen
Betreffen 40 Prozent (von 11’324 Milliarden Franken) der Rettungspakete die USA, dann sind dies 4’530 Milliarden Franken (oder rund 15’300 Franken je US-Einwohner). Und jetzt die Relation für die USA: 4’530 Milliarden/16’124 Milliarden mal 100 = 28 Prozent. Es sind also “weltweit 37 Staaten, die EU sowie der Internationale Währungsfonds Rettungsmassnahmen für Banken und andere Firmen”, um den NZZ-Wortlaut zu übernehmen, die Rettungspakete in Höhe von 28 Prozent des amerikanischen Bruttosozialprodukts aufbringen.
Für Europa müssten sich ähnliche Zahlen ergeben, wobei der Aufwand je Einwohner geringer ausfallen dürfte als für die USA. Jetzt wissen wir also, dass die Weltdurchschnittszahl von 1’665 Franken je Einwohner ein grosses Wischiwaschi ist, wenn man dies mit der US-Zahl von 15’300 Franken je US-Einwohner vergleicht. Dazwischen liegen Welten – fast ein Faktor Zehn. Wenn die NZZ von 18 Prozent des globalen Bruttosozialprodukts von 2007 schreibt, so ist dies nicht falsch, aber trotzdem ein schräger Bezugspunkt, weil die Gewichtung der Rettungspakete zu 80 Prozent die USA und Europa betreffen.
Fussnoten: