Kruder US-Warlord

30. Januar 2009 · Von · Rubrik: Weltkonflikte

Die einzigste Sorge des Nato-Generalsekretärs Jaap de Hoop Scheffer ist die Devise “Haltet den Dieb”, während der deutsche Verteidigungsminister Franz Josef Jung im Stück der “Drei Affen” spielt.

Amerikas Fremdenlegionen

Man kann froh sein, dass die verquerten Vorstellungen und Befehle des amerikanischen Nato-Oberbefehlshabers Bantz J. Craddock[1] teilweise an die Öffentlichkeit[2] gelangt sind. In seiner mit Spangen, Orden und Abzeichen geschmückte Plakatbrust wohnt nichts anderes als ein kruder Warlord, ein Krieger, der nichts anderes tut als amerikanische Fremdenlegionen zu führen. Oder nicht?

Was zurzeit erfolgt ist typisch: ein Ritual der Beschwichtigung, eine Rätselorgie über die Begrifflichkeiten von “Befehl” oder “Anweisung”[3]. Dem öffentlichen Erkenntnisfortschritt kann es dienen, denn nur so wird – leider nur stückweise – transparent, was es mit der kriegerischen Heilsbotschft von Demokratisierung, Nation Buliding  usw. auf sich hat. Ein Ende in Afghanistan ist noch lange nicht in Sicht, denn immerhin findet Barack Obama, der neuste US-Präsident, dass der Afghanistan-Krieg eine gute Sache ist[4].

Jaap de Hoop schnappt nach Luft

Die einzigste Sorge des Nato-Generalsekretärs Jaap de Hoop Scheffer ist die Devise “Haltet den Dieb”, während der deutsche Verteidigungsminister Franz Josef Jung[5] im Stück der “Drei Affen”[6] spielt: “Das ist ein interner Streit in der Nato”, sagte sein Sprecher, “der Minister wird sich da nicht einmischen” (siehe “Spiegel”-Beitrag). Und damit gerät das Inhaltliche, d. h. Craddocks Unrechtsdenken und Schiesslüsternheit, ins Hintergrundrauschen. Das Leck ist wichtiger als alles Andere. Die ARD Tagesschau zitiert de Hoop Scheffer:

[...] “Die Sicherheit unserer Nationen und unserer Soldaten hängt von der Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen und dem Schutz von geheimem Material ab”, heißt es in einer Erklärung De Hoop Scheffers. Die Veröffentlichung geheimer Dokumente sei “inakzeptabel”. [...]

An sich ist die Aussage richtig, wenn man sie als “in eigener Sache” oder als Einbahnstrasse betrachtet. Die Kriegsgegner denken dies logischerweise auch. Diese Aussage enthält jedoch noch etwas, was nicht ausgesprochen worden ist: “Die Sicherheit unserer Nationen und unserer Soldaten” – es geht schliesslich um Krieg – bedeutet gleichzeitig die Unsicherheit anderer Nationen, Soldaten und Zivilisten. Fakt ist jedoch, dass Kriege immer Unsicherheit bedeuten, egal auf welcher Seite – mit oder ohne Geheimhaltung. Ausserdem wissen wir, dass die Welt nicht sicherer geworden ist.

Fussnoten:

  1. Bantz J. Craddock
  2. Nato-Oberbefehlshaber erteilt rechtswidrigen Tötungsbefehl
  3. Tötungsbefehl entsetzt deutsche Politiker
  4. Amerikas guter Krieg
  5. Jung und Craddock im Bild
  6. Drei Affen

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