Kriege bedeuten immer Macht

7. Januar 2009 · Von ulp · Rubrik: Weltkonflikte

Die beste Lösung wäre, wenn es keine Bomben der Israelis und keine Raketen der Hamas gäbe. Leider ist es nicht so.

Stopp – Stärke – Wahlhilfe?

“Keine guter Start für Frieden im Nahen Osten im neuen Jahr”, schreibt Ali Arbia in scienceblogs. Dem kann der “Bürger-Herold” nur beipflichten, obwohl es sich um eine jährliche Fortsetzungsgeschichte des Unfriedens handelt. Von den drei Gründen,

[...]

  • Ein Stop des Beschusses durch selbstgebaute Raketen aus dem Gazastreifen.
  • Ein Demonstration von Stärke als Signal an die Hamas (und vielleicht umliegende arabische Staaten)
  • Wahlhilfe für die an der Regierung beteiligten Parteien.

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Wahrung des Gesichts
Wenn Ali Arbia seine Zweifel hat, ein Einlenken der Hamas käme einem Gesichtsverlust gleich, dann hat er nicht Unrecht. Aber im Krieg wollen alle Seiten ihr Gesicht wahren, wollen Gewinner und keine Verlierer sein. Dazu gehört auch, dass man schnellsten mit Argumenten der Welt erklären will, wie gerechtfertigt ein Krieg doch sei. Doch wenn wir ehrlich sind, ist die Wahrung des Gesichts einem Festhalten an einer Maske gleichzusetzen.
Vor ein paar Tagen gab es im Tages-Anzeiger einen kurzen Bericht über Andrè Marty vom Schweizer Fernsehen, dem, wenn er zuviel vom Gaza-Krieg berichte, der Verlust der Akkreditierung drohe. Zwar hört man oft die Argumente, der Feind könne davon profitieren, aber es geht auch darum, dass die Welt nicht alles erfahren darf. Wahrung des Gesichts auf eine andere Art.
Nicht alles läuft wie geplant, weil die Nachrichten schneller um den Globus rasen als eine PR-Aktion aus dem Boden gestampft ist. “Gegen die Bilder von verzweifelten Eltern, die leblose Kinder in überfüllte Spitäler im Gazastreifen tragen”, lesen wir heute im Tages-Anzeiger, “kann auch die sorgfältigste Strategie wenig ausrichten: «Israel wird die Kommunikationsschlacht nicht gewinnen», sagt Medienspezialist Dominique Wolton vom französischen Forschungsverband CNRS in Paris”.

die Arbia für plausible hält, ist für uns der Stopp des Raketenbeschusses durch die Hamas am plausibelsten. Dabei geht es um Schutz des Lebens auf israelischer Seite. Und wer schützt das Leben auf der palästinensischen Seite vor israelischen Bomben und Schüssen? Na gut, die beste Lösung wäre, wenn es keine Bomben der Israelis und keine Raketen der Hamas gäbe. Leider ist es nicht so.

Fatale Kriegsgründe

Die beiden anderen Gründe sind umso spektakulärer. Eine Demonstration der Stärke wäre nichts anderes als das Setzen neuer Ursachen, wäre ein fataler Grund, Krieg zu führen. Nein, Kriege haben nicht eine Demonstration der Stärke als Ziel sondern Macht über Menschen und Gebiete. Dies betrifft übrigens alle, die am Krieg beteiligt sind. Noch spektakulärer wäre allerdings die Wahlhilfe. In Wahlzeiten lassen sich Parteien einiges einfallen, um Wähler zu gewinnen. Das ist in Nahost nicht anders als in anderen Ländern. Aber im Falles Israels wäre dies ebenfalls ein fataler Kriegsgrund: Leben auf allen Seiten werden eigenen Wahlzielen geopfert.

Der “Bürger-Herold” geht nicht davon aus, wie Ali Arbia schreibt, dass Israel eine Strategie fehle. Nur, wir können sie nicht konkret benennen. Doch wenn wir uns die Geografie vorknöpfen, die geteilten Palästinenser-Gebiete, die Grenzverschiebungen zugunsten Israels seit dem UN-Teilungsplan[1] bis heute[2][3][4] betrachten, dann kann man eine Strategie der Ausdehnung erahnen, zum Vorteil der einen Seite und zum Nachteil der anderen. Ja, und eine permanente Auffrischung von gegenseitigen Feindschaften ist wohl auch eine Art Strategie, keine vernünftigen Lösungen zuzulassen.

Fussnoten:

  1. UN-Teilungsplan aus dem Jahre 1947
  2. Gaza-Streifen
  3. Westjordanland
  4. Israel, Palästina und ein völlig undenkbarer Friedensplan

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