Halloween – St. Martin
31. Oktober 2008 · Von ulp · Rubrik: Gesellschaft, KulturDas Volk hat immer gewusst, manchem Fest einen besonderen, manchmal martialischen Touch zu geben.

Gegen jeden Mainstream: Ohne Halloween-Kürbis - besser für die Suppe - geht es auch (© ulp)
Aus der Erinnerungskiste
Gut, man kann sich über Vieles echauffieren, wie jüngst ad sinistram Halloween (auf Englisch), ein Brauch, der wieder nach Europa zurückschwappt. Aber ob die Gegenüberstellung zum Martins-Brauchtum Hand und Fuss hat? Nicht so sehr, denn das Volk hat immer gewusst, manchem Fest einen besonderen, manchmal martialischen Touch zu geben. Irgendwie haben wir doch das ganze Jahr Halloween, wenn wir uns die politische Szenerie anschauen.
Wir kramen mal in unserer Erinnerungskiste. Der “Bürger-Herold” stammt aus Düsseldorf, wo die Jungs nicht nur Radschlagen (nicht mit dem Rad herumschlagen), sondern die Kinder das Martins-Fest mit grossem Pomp begehen. Als Kinder sind wir natürlich mit glänzenden Augen im Martins-Umzug mitgeschritten, manchmal mit Tränen, wenn die Laterne in Flammen aufging. Aber der interessantere Teil war das Nachher.
Grippschen im freien Markt
Mit leeren Säcken bewehrt haben wir uns in Gruppen von Haus zu Haus, von Tür zu Tür durchgeklingelt und gesungen: “Hier wohnt ein reicher Mann, der uns vieles geben kann. Vieles soll er geben, lange soll er leben”. “Grippschen” nannten wir das. Und wir Bengel haben regelrecht konkurriert, wer nun den dicksten Sack hatte – gefüllt mit Äpfeln, Nüssen und den verdammt trockenen Weckmännern. Wenn der reiche Mann nichts gegeben hat, wurde ihm schon mal ein Fluch hinterher geschossen.
Der Pfarrer hat uns zwar hie und da deswegen zum Teufel gejagt, aber der Teufel war zufälligerweise nie da. Zum Glück, denn sonst hätte es den “Bürger-Herold” kaum in die Schweiz verschlagen. So können wir berichten, dass es im Kanton Luzern einen Martinsbrauch gibt, der sich “Gansabhauet” nennt. Nicht unbedingt etwas Ästhetisches, toten, aufgehängten Gänsen mit dem Säbel ihren Rumpf abzutrennen. Passt auch nicht ganz zum Mantel teilenden Martinus.