Besser – aber wie?
27. September 2008 · Von ulp · Rubrik: Medien, Schreiber-Schlacht“Alles eine Sache der Einstellung!”, meint Ralf Schwartz zum besseren Journalismus bzw. zur besseren Bloggerei.
Wurst ohne Brot
Sechs Dimensionen sind es, meint Ralf Schwartz von mediaclinique, und gibt Tipps für Qualitätsjournalisten. Schwartz schreibt unter anderem:
[...] Während Journalisten der Meinung sind, Blogger würden ihnen die Wurst vom Brot nehmen, sollten sie lieber erkennen, daß unter dieser Wurst meist gar kein Brot ist! Sprich: Die meisten unter ihnen konnten nie zu guten Journalisten werden, weil sie einfach nicht wollten, weil sie einen Job hatten, der ihnen gefiel, sie aber nicht wirklich forderte, so daß sich nie etwas wie Kompetenz, Erfahrung oder Intuition (wie bei den sogenannten alten Hasen) entwickeln konnte. Man strampelte rum in der Lokalredaktion, durfte dann mal beschreiben, wie wieder ein vermeintlicher Ausländer aufgemischt wird, lernte aber weder eine gute Story, noch eine Story gut zu schreiben, noch einen eigenen Stil zu entwickeln. [...]
Eigentlich wäre dies Stoff genug, um gegen die Journalisten ins Felde zu ziehen. Das hat der “Bürger-Herold” jedoch nicht im Sinn, weil es nichts bringt. Wir sagen mal so: Wir erwarten von den Medien Qualitätsjournalismus, und wir als Leser werden die Journalisten entsprechend einschätzen. Dabei lassen wir uns auch nicht reinreden.
Sechs Punkte
Sechs Punkte nennt Ralf Schwartz, die besseren Journalismus ausmachen:
- Hintergrund durch Nachhaken
- Objektivität
- Relevanz
- Entwicklung der Story und Kontextualisierung
- Leidenschaft
- Involvement und Diskussion
Wir können den Beitrag besonders der Blogger-Welt empfehlen. Das Ziel aufgrund der sechs Punkte muss für Blogger nicht unbedingt sein, gute Journalsten zu werden oder zum Star-Blogger zu avancieren. Man kann es auch auf das Inhaltliche münzen, was wir als Schreiber von uns geben. Allerdings möchten wir ein paar Punkte etwas näher beleuchten.
Ein paar Gedanken
Mit der Objektivität ist das so eine Sache. Eine absolute Objektivität gibt es nicht. Bei unserer Lektüre mehrerer Medien – gilt auch für den internationalen Bereich – sind zum Teil sehr unterschiedliche Stories zu lesen. Und schon hat die journalistische Objektivität verschiedene Gesichter. Oder beispielsweise Kommentare: Sie sind eine Mischung von Objektivität und Subjektivität. Selbst eine gute Reportage hat immer mit Tatsachen und Erleben zu tun, d. h. mit Objektivität und Subjektivität. “Schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten” haben immer noch Konjunktur, auch eine Objektivitätsfrage.
Was Schwartz zum Thema “Relevanz” schreibt, ist ein guter Ansatzpunkt, denn die berühmte “journalistische Relevanz” steht schon kange auf dem Prüfstand[1][2]. Endlich jemand, der zwischen bestätigender (Nutzerbestimmung) und herausfordernder Relevanz (pro Wandel). Beides hat seine Vor und Nachteile, aber beides schliesst sich auch nicht gegenseitig aus. Manchmal ist das für die Schreiber ein Seiltanz zwischen einerseits Fortschritt oder Wandel und andererseits Reaktionen von Bürgern. Provokative Frage: Was hat mehr Relevanz, dass die gegenwärtige Finanzkrise mit Steuergeldern repariert werden soll oder die Menschen, die dadurch möglicherweise nichts als verlieren?
Der “Bürger-Herold” mag das Wort “Leidenschaft” nicht so richtig, weil die Gefahr besteht, sich vor lauter Leidenschaft zu verrennen. Allerdings schreibt der Autor von Emotionalität, Engagement, Involvement und Nähe zum Leser, um diese Leidenschaft zu differenzieren. Dazu brauchen wir Schreiber, die in allem den Menschen sehen. Nicht selten fragen wir uns, wenn wir wieder einmal etwas gelesen haben, wo denn die Menschen geblieben seien.
Fussnoten: