Ruhe bewahren?

26. September 2008 · Von · Rubrik: Wirtschaft

In den letzten 60 Jahren haben die amerikanischen Regierungen alles andere als Glanzstücke abgeliefert, intern wie extern.

Ruhe, bitte!

Während der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) einerseits die Auswirkungen der Finanzkrise schwarz bemalt, trällert er andererseits fleissig “Lieb Vaterland magst ruhig sein”. Niemand kann sagen, wie die gesamte Angelegenheit ausgeht, aber die Zeichen stehen auf Sturm[1][2][3]. Beides kann Steinbrück nicht gebrauchen, die Krise nicht, und unruhige Bürger auch nicht. Wobei die Bürger noch ganz andere Gründe haben unruhig zu sein.

Im Moment sind die angelsächsischen Medien aufschlussreicher, sicherlich auch deswegen, weil besonders die USA direkter betroffen sind. Gerade haben wir in IPS-Inter Press eine Analyse von Jim Lobe gelesen, worin er meint, dass die aktuelle Finanzkrise die US-Stärke und den amerikanische Einfluss in Übersee in beschleunigendem Masse schwinden lasse. Auch wenn sich Lobe in erster Linie mit der wirtschaftlichen Seite beschäftig, sieht der “Bürger-Herold” noch ein paar andere Aspekte.

Ungewisser Ausgang

Wenn der US-Markt tatsächlich zusammenfällt, dann wird es vermutlich auch in unseren Ländern gewaltig krachen. Die wirtschaftlichen Verquickungen mit den USA sind zu gross. Insofern darf der Zusammenbruch nicht passieren. Der Ausgang ist allerdings nach wie vor ungewiss[4][5], auch wenn einige deutsche Medien melden, es sei eine Einigung erzielt worden[6]. Geht es nur um den 700-Milliarden-Dollar-Rettungsplan? Lobe schreibt auch von den US-Kosten für den Krieg im Irak und in Afghanistan[7]: 15 Milliarden Dollar je Monat. Auf ein Jahr hochgerechnet mach das 180 Milliarden oder in knapp vier Jahren 700 Milliarden Dollar aus. Na ja, und diese Kriege sind bekanntlicht nicht ein paar Tage alt.

Wir denken, dieser Vergleich ist durchaus zulässig ist. Ziemlich sicher liegen die Kosten weitaus höher. Jedenfalls lässt sich daran erkennen, was die US-Administration unter George W. Bush den amerikanischn Bürgern zumutet und angetan hat[8]. Unter der möglichen schwindenden Stärke und Einfluss in Übersee, wovon Lobe schreibt, kann man auch die amerikanische Militärmacht oder die Machtpolitik verstehen. Aus dieser Sicht wäre ein Schwinden der amerikanischen Macht sogar wünschenswert, schliesslich gehört Europa zu Übersee.

Kein Glanz und Gloria

In den letzten 60 Jahren haben die amerikanischen Regierungen alles andere als Glanzstücke abgeliefert, intern wie extern. Nichts als weltweite Gräben sind übrig geblieben, von Nation-building, Freiheit und Demokratie kaum Spuren. Nehmen wir die Atowaffenpolitik: Nordkorea darf nicht mit Atombomben hantieren, der Iran darf auch nicht und wäre sogar noch einen Krieg wert, obwohl fraglich ist, ob er Atombombenwaffen baut. Von US-Gnaden hat Israel wahrscheinlich Atombomben, worüber man in wünschenswerter Weise nicht spricht. Indien, Pakistan, Russland, China usw. Die einen sind Schurken, die anderen nicht.

Europa ist nicht fein draussen. Denn ebenso wie die europäischen Länder wirtschaftlich mit den USA verknüpft sind, haben sich einige Länder auch machtpolitisch den USA angeschlossen. Manche europäische Staatspolitiker haben sich dem “Herrn” in Washington geradezu in die Arme oder vor die Füsse geworfen. Die US-Administration weiss das zu schätzen, denn geteiltes Leid sind auch geteilte Kosten – natürlich unter US-amerikanischer Führung.

Fussnoten:

  1. Lehman Brothers auf dem Lande
  2. Steinbrück stimmt Deutsche auf harte Zeiten ein
  3. “Nichts wird sein, wie es war”
  4. Bailout Plan Stalls After Day of Talks; Bernanke and Paulson Head Back to Hill
  5. Krisengipfel im Weißen Haus bringt keine Einigung
  6. Einigung über Finanzpaket
  7. “Der amerikanische Staat ist schuld”
  8. Ein Traum zerbricht

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2 Kommentare
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  1. Test

  2. Nur ein Probeeintrag