Die Idee: Noch weniger
5. September 2008 · Von ulp · Rubrik: Armut, Wirtschaft“Die Hartz-IV-Gelder sind nicht zu niedrig, sondern eher zu hoch”, sagt Prof. Friedrich Thießen von der TU Chemnitz.

Bild 1: Der Druckfehlerteufel hat zugeschlagen (Quelle: Spiegel)
“Hartz” und “Hatz”
Wie das Netzwerk mit den Qualitätsmedien funktioniert, zeigt der “Spiegel”, der eine Nachricht mit “Wissenschaftler halten Hartz-IV-Satz für viel zu hoch” überschreibt. Kaum ist die Meldung, 8,3 Millionen Deutsche hätten Ende 2006 existenzsichernde Hilfen bekommen, bei den Medien durch, muss journalistischer Stoff her. Kein eigener, aber dafür gibt eine Mischung aus Agenturmeldungen. Diese Mischung wirkt wie ein nachrichtenrelevanter “Mehrwert” zu den erwähnten 8,3 Millionen Deutschen.

Bild 2: Minimalfall - 132 Euro pro Monat. Berechnetes physisches Existenzminimum? (Quelle TU Chemnitz, aus der Zusammenfassung der Studie)
Nebst dass der Druckfehlerteufel zuschlägt (Hatz IV – siehe Bild 1), schlägt wieder einmal eine wissenschaftliche Studie zu – diesesmal von der TU Chemnitz. Und zwar saftig, wie der “Bürger-Herold” aus der Zusammenfassung der Studie Die Höhe der Sozialen Mindestsicherung[1] entnimmt.
Vorlage für politische Besserwisser
Die Verfasser[2] sind sichtlich bemüht, keine Konsequenzen abzuleiten, aber im Endeffekt dürfte das die Vorlage für jene Politiker sein, die Hartz-Empfängern die Lebenshaltung vorschreiben wollen. Daraus eine raffinierte Formulierung: “Die Hartz-IV-Gelder sind nicht zu niedrig, sondern eher zu hoch”. In Bild 2 zeigen wir den Tabellenteil mit den Minimalfall von 132 Euro (Seite 6 und 7 der Zusammenfassung: Maximalfall = 278 Euro, Regelsatz = 331 Euro, EVS-Ansatz = 476 Euro). Darin scheuen sich die Autoren nicht, unter anderem zu interpretieren:
[...] Die Leistungen der sozialen Mindestsicherung liegen weit oberhalb des physischen Existenzminimums. [...]
Was mit diesem physischen Existenzminimum wohl gemeint ist? Der Leser vergleiche dazu den Satz im “Spiegel:
[...] dass Empfänger dieser Hilfe deutlich mehr Geld bekommen würden als das durchschnittliche Existenzminimum rechtfertigt [...]
Fazit: Das “Kartell” der Medien und Wissenschaftsstudienverfasser funktioniert. Es gibt billige Nachrichten und erfüllt den Zweck für politische Besserwisser.
Fussnoten: