Doch nicht so stürmisch
20. August 2008 · Von ulp · Rubrik: GesellschaftDas Geburtenjahr 2007 war nun doch nicht so stürmisch – kein Grund, daraus politisches Kapital zu schlagen.
Überzeugung war ein Traum
Was freute sich die deutsche Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) Mitte April 2008 kindlich, weil sie überzeugt war, die Geburtenrate werde 2007 deutlich über 1,4 Geburten je Frau liegen[1]. Vermutlich hatte sie mal von einer Zahl 1,47 gehört, die ein paar Monate vorher kursierte[2]. Leider klappt es bei von der Leyen jetzt nicht mehr so ganz, aus diesen Zahlen politisches Kapital zu schlagen. Trotzdem gab es 2007 Mutterfreuden, denn es sind nach offiziellen Angaben im Jahre 2007 12’138 mehr Kinder geboren worden[3] als 2006.
Ja, und wenn man jetzt aus diesem erfreulichen Zuwachs der Anzahl Geburten von 1,77 Prozent gegenüber 2006 die Geburtenrate nach der Geburtsjahrmethode berechnet, dann liegt diese deutlich unter 1,4 – genau bei 1,37 Geburten je Frau[4] (2006: 1,33 Geburten je Frau). Was immer die Frau von der Leyen in den nächsten Tagen erzählen wird, von einer echten Trendwende, gemessen an der Geburtenrate, kann also keine Rede sein (Bild 1), weil es immer wieder zu einem Auf und Ab kommt, wie das Jahr 2000 zeigte.
Absolute Zahlen sprechen eine andere Sprache
Aufschlussreicher sind allerdings die absoluten Zahlen, besonders wenn man Geburten und Sterbefälle miteinander vergleicht: In Deutschland sterben immer noch weitaus mehr Menschen als geboren werden (Bild 2). Inwiefern sich die bekannt gewordenen Fehlzählungen[5] (vermutlich 1,3 Millionen Einwohner weniger) niederschlagen, können wir nicht sagen.
Hin oder her: Im Hintergrund lauert in Deutschland ein langfristiger Schrumpfungsprozess, denn laut DSW-Bevölkerungsprojektionen solle es im Jahr 2025 noch 79,6 Millionen und 2050 nur noch 71,4 Millionen Einwohner geben[6].
Fussnoten: