Propaganda prägt
11. August 2008 · Von ulp · Rubrik: Politik, WeltkonflikteBei “Siegesbildern” ist man nicht so zimperlich. Särge und Leichen hingegen heben die heimische Moral nicht.
Heute erreicht den “Bürger-Herold” ein Leserkommentar, der sich auf unseren Beitrag Kriegsfratze verbergen bezieht. Wir wiederholen hier diesen Kommentar[1] vollständig und versehen ihn mit unseren Zwischenbemerkungen.
Sie sollen sich ruhig fürchten
Mit Furcht vor Bildern hat das nichts zu tun, die Soldaten sehen die Bilder ja tagtäglich. Es hat viel eher mit der Furcht vor dem berüchtigten Kampagnen-Journalismus zu tun.
Doch, es geht um die Furcht vor Bildern. Die Soldaten, ob Freund oder Feind, die im Dienst der Befehlskette handeln, müssen sie live erleben. Aber wie ist das mit den Bürgern, die kriegsfern von den Kriegen etwas mitbekommen? Eine kritische Stellungnahme ist nur möglich, wenn wir als Bürger möglichst viele Quellen zur Verfügung haben, um einigermassen zu beurteilen. Leicht ist das nicht.
Wenn der Kommentator meint, es sei eher die “Furcht vor dem berüchtigten Kampagnen-Journalismus”, dann läuft es auf dasselbe wie die Furcht vor Bildern hinaus. Es ist die Furcht vor der Wahrheit, die propagandistisch z. B. durch Zensur ausgetrickst wird[2]. Bei “Siegesbildern” ist man da nicht so zimperlich. Särge und Leichen hingegen heben die heimische Moral nicht.
Schuld der Medien?
Vielleicht findet der Kommentator alles richtig, wenn er weiter schreibt:
Die Amerikaner haben eben aus dem Vietnam-Mediendebakel gelernt. Es gibt stimmen die behaupten, dass die USA den Vietnamkrieg gewonnen hätten wenn zuhause nicht die öffentliche Meinung zum Krieg gekippt wäre (Schuld der Medien und ihrer Bilder).
Hier scheint uns, dass das US-Propagandistische beim Kommentator durchschlägt. Gelernt haben die US-Verantwortlichen rein nichts, denn sie tun das, was alle Kriegsführer tun: Das Nützliche wie Heldentum und Siegeswillen zu zeigen, Unnütztes wie Särge, Leichen und Untaten zu verschweigen[3][4][5].
Meinungen können kippen
Der Meinungsumschwung zwang damals die Amis zum überhasteten Rückzug was unzählige Südvietnamesen das Leben kostete.
Ja, damit übernimmt der Kommentator George W. Bush’ einfältige, wirklich einfältige Geschichtsklitterung, als ob es besser gewesen wäre, in Vietnam zu bleiben[6]. Und was wäre an diesem Meinungsumschwung falsch gewesen? Im Prinzip nichts. In diesem Moment sind die Rechtfertigungsgründe der damaligen US-Kriegsmacher von den Bürgern nicht mehr akzeptiert worden.
Wenn die Amis heute überhastet aus dem Irak abziehen würden, noch bevor die irakische Armee wieder vollständig retabliert ist, müsste man mit ähnlichen Problemen rechnen.
Auch in diesem Punkt erliegt der Kommentator vermutlich den US-amerikanischen Vorstellungen, wie Kriege zu begründen sind. Das sind doch kindische Vorstellungen. Das Gerede über Freiheit und Demokratie, womit man die Kriege (Irak, Afghanistan) begründet, ist derart überschwenglich, so dass es bereits deswegen unglaubwürdig wirkt. Aber wir wissen doch, die wahren Kriegsgründe erfahen wir selten[7].
Fussnoten: