Standards wiederherstellen
30. Juni 2008 · Von ulp · Rubrik: Medien, Schreiber-SchlachtZeitungen sollten sich beeilen, ihre Standards schleunigst wiederherzustellen.
Standards sind dehnbar
Etwas Anderes bleibt Josef Joffe, Mitherausgeber der Zeit, auch nicht übrig als zu plädieren:
[...] Die Zeitung muss Standards wahren, um im Netz zu überleben [...]
So steht es im kleinen Vortext des Zeit-Beitrags “Klasse, nicht Klicks”. Ja nun, Standards sind dehnbar und dazu geeeignet, um daraus eine Qualität oder einen Qualitätsjournalismus zu definieren. Unter Qualitätsjournalismus kann man viel verstehen, wie Unabhängigkeit, Wahrheitsgehalt, Aktualität, Journalismusstil, Objektivität, Sorgfalt u. v. m. Doch wenn wir uns durch den Wald der Printmedien kämpfen, dann ist der “Bürger-Herold” von einem allgemein verbreiteten Qualitätsjournalismus nicht mehr überzeugt. Klar, punktuell finden wir immer etwas, was uns als Leser qualitätsjournalistisch beeindruckt.
[...] Was macht denn guter Journalismus? Er trennt das Interessante vom Belanglosen. Er sortiert, wählt aus und deckt eine wunderbare Tafel. Er macht neugierig, aber nicht mit dem Dahergeplauderten. [...],
meint Joffe. Das tönt gut, aber Joffe ist einer der “Zeit”- Herausgeber, wird also gut reden müssen.
Rechnung ohne Leser
Doch wenn wir uns dieses Joffe-Zitat überlegen, dann macht er eine Rechnung ohne Leser. Seit Jahren macht der “Bürger-Herold” eine andere Erfahrung. Der “Bürger-Herold” ist gewiss kein Vorzeigeleser, aber die Fülle der Informationen zwingt uns regelrecht dazu: Wir – vielleicht können wir sogar sagen “die Leser” – trennen Interessantes vom Belanglosen, sortieren, wählen aus und decken uns unsere eigene Tafel. Für uns ist es fast zwingend, denn im Durchschnitt zeichnen sich die meisten der von uns gelesenen Print-Medien gerade noch dadurch aus, dass es egal ist, ob wir diese oder jene Zeitung gelesen haben.
Wenn Josef Joffe meint, die Zeitung müsse Standards wahren, dann können wir dem nur provokativ hinzufügen, dass sich die Zeitungen schleunigst beeilen sollen, ihre Standards wiederherzustellen. Erst dann können sie ihn wahren und auf ihre Netzaktivitäten übertragen. Nichts ist unmöglich. Wenn nicht, dann bleibt das Gros der Medien eine Ansammlung von Marktständen, die zwar um die Gunst buhlen, den Qualitätsjournalismus beschwören, aber wir als Leser suchen uns das Beste heraus. Im gewissen Sinne untergraben wir damit die angeblich Autorität der Medien, die um ihr Selbstverständnis kämpfen.