“Supermutti” warnt

26. Mai 2008 · Von · Rubrik: Armut, Gesellschaft, Politik

Auch ohne Ursula von der Leyen bzw. Armutsbericht kommt man schnell dahinter, wie die Lage der Nation ist: desaströs.

Einfach lächerlich

Der Entwurf des “3. Armuts- und Reichtumsbericht” der Bundesregierung sorgt weiterhin für Diskussionsstoff. Allerdings befürchtet der “Bürger-Herold”, dass die politische Diskussion darüber bald wieder verebbt, weil sie sonst den ideologischen Eitelkeiten der beiden Regierungsparteien den Platz wegnimmt.

Was ist wichtiger, den lächerlichen Koalitionsstreitereien und Streitereien um die Bundespräsidenten- kandidatur Köhler/Schwan zu folgen oder die tiefgreifende, folgenschwere Armut im Lande zu fokussieren? Nur so weit: Horst Köhler oder Gesine Schwan sind dem “Bürger-Herold” politisch völlig egal; Bürger in Armut sind uns politisch und menschlich nicht egal.

Vieles unter dem Deckel

Mit Recht, scheint uns, warnt Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) laut Rheinische Post davor, die Armut von Kindern zu unterschätzen. Laut einem Bericht, den von der Leyen der Öffentlichkeit nicht preisgibt, lebe jedes sechste deutsche Kind in Armut. Das sind etwa 16 Prozent. Schockierend genug.

kinderarmut.jpgGrafik: Bevölkerungsgruppen, die von der 60%-Marke (60%-Median) betroffen sind (© Bürger-Herold – Quelle: “Datenreport 2006″ – Daten: SOEP 1991 – 2005)

Vor einiger Zeit hat der “Bürger-Herold” aus zugänglichem Datenmaterial die nebenstehende Grafik erstellt, die die Armutsrisiken nach Altersgruppen (die Balkengruppe in der Mitte) zeigt. Rund 15 Prozent der Kinder bist 10 Jahre waren 2004 dem Armutsrisiko ausgesetzt. Nun hört das Kindsein nicht bei 10 Jahren auf. Über 18 Prozent der Kinder und Jugendliche zwischen 11 und 20 Jahren waren im selben Jahr vom Armutsrisiko betroffen. In diesem Sinne lässt sich erahnen, dass noch mehr Kinder betroffen sind als man meint. Eine weitaus andere Sprache spricht auch der Unicef-Bericht, auf den ARD Tagesschau hinweist.

Naiv – frech – dreist

Das heisst, auch ohne Ursula von der Leyen bzw. Armutsbericht kommt man schnell dahinter, wie die Lage der Nation ist: desaströs – nicht nur bei Kindern bis 10 Jahre bzw. Kinder und Jugendlich zwischen 11 und 20 Jahre, sondern auch bei der nächsten Altersgruppe 21 bis 30 Jahre (ebenfalls über 18 Prozent im Armutsrisiko). Schlimm, was den jungen Generationen passiert!

Nun ist Ursula von der Leyen nicht nur “Supermutti” und Familienministerin. Sie ist auch eine partei-ideologische Vertreterin der CDU. Dass sie mit Kindergeld argumentiert, kann der “Bürger-Herold” noch nachvollziehen. Gleichzeitig konstatiert von der Leyen naiv-frech-dreist:

[...] “Ein Mindestlohn hilft keiner Familie mit mehreren Kindern” [...]

Na ja, um ihre eigene Kinderschar musste sich “Supermutti” finanziell nie Sorgen machen. Um so mehr muss sie in die Diskussion noch ihren neoliberal-ideologischen Brei platzieren. Dies führt uns zur Überlegung, was Ursula von der Leyen wichtiger ist: Kinder und Jugendliche in Armut bzw. im Armutsrisiko oder der neoliberale Einheitsbrei, deren Vertreter sich aus allen Verantwortungen schleichen wollen.

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