Zum Wiehern
25. Mai 2008 · Von ulp · Rubrik: Armut, PolitikWirbel um die Armutsdiskussion: Propaganda und Ökonomie haben das Wort.
Trend und Käse
Manchmal zum Wiehern, wenn Propagandisten und Ökonomen Stellung beziehen (© ulp)
| Trendumkehr? |
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| Wenn Ronald Pofalla von einer Trendumkehr spricht, so könnte man bei der Reduktion der Arbeitslosigkeit durchaus davon sprechen. Ob sie nachhaltig ist, bleibt eine offene Frage. Eine andere offene Frage ist auch, wie sich die versteckte Arbeitslosigkeit seit 2005 entwickelt hat. Unsere dritte Frage ist, zu welchen Einkommens- bedingungen hat sich die Arbeitslosigkeit verringert. |
| Der uns vorliegende “3. Armuts- und Reichtumsbericht” ist gewiss kein Ruhmesblatt, weil darin viele veraltete Zahlen und zu viel politische Interpretation enthalten sind. Entgegen Pofallas Behauptung wurde jedoch die Entwicklung der Arbeitslosigkeit seit 2005 bis 2007 klar ausgewiesen, nämlich auf Seite 75. |
Irgendwie reden die Wortwichtel und -gewichtigen am Thema vorbei, aber gleichzeitig meinen sie, sie hätten etwas zur Armut und zur Ungleichverteilung der Einkommen zu sagen. CDU-Oberpropagandist, Ronald Pofalla, wie aus dem Tagesspiegel zu erfahren ist, meint, man habe man doch längst eine Trendumkehr in Deutschland, die sei in den Zahlen von 2005 natürlich noch nicht sichtbar.
Welch eine Überrschung, deren Sinn man noch suchen muss: In der Wirtschaftswoche lässt Ifo-Chef Hans-Werner Sinn die Entwarnungssirenen heulen und befindet, dass vier Prozent der Bevölkerung arm sind – gemäss amtlicher Definition. Aber das sei schon immer der harte Kern gewesen. Sinn im O-Geschreibe über die Diskussion: “bedarfsgewichteter Käse, mehr nicht”.
Michael Hüther vom Institut der deutschen Wirtschaft wollte im Streitgespräch in der Süddeutschen Zeitung nichts über die Verteilung sagen, hat sich aber vorher noch überwunden: “Wir haben doch schon eine hoch wirksame Umverteilung! Die oberen zehn Prozent der Einkommenssteuerzahler zahlen 55 Prozent des gesamten Steueraufkommens, die unteren 25 Prozent gerade einmal 0,3 Prozent!”