Alle fünf Sekunden
27. April 2008 · Von ulp · Rubrik: Weltkonflikte, WirtschaftEs würde niemanden in der Welt in den Sinn kommen, freiwillig an Hunger zu leiden. Demzufolge sind es äussere Zwänge, wie immer sie aussehen, die zum erzwungenen Hunger führen. Dennoch stirbt alle fünf Sekunden ein Kind an Hunger.
Perfekte Perversion
Im Tagesspiegel schreibt Jean Ziegler:
[...] Im Jahr 2007 waren 856 Millionen Menschen – jeder sechste auf unserem Planeten – schwer und dauerhaft unterernährt. Im Jahr 2005 waren es noch 842 Millionen. [...]
Dies sind nicht einfach Zahlen, weil sie so sind, sondern weil es Marktmechanismen sind, die dazu führen. Ein aktuelles Beispiel aus der Schweiz: In der Schweiz sollen Kortoffeln aus Ägypten die Verkaufregale zieren. Warum? Sie sind billig, was Konsumenten schätzen mögen. Dass jedoch dadurch gleichzeitig die Schweizer Landwirtschaft geschädigt wird, weil sie nicht zu diesen tiefen Preisen produzieren können, interessiert höchstens die Landwirte. Mit Glück gibt es ein paar zusätzliche Subventionen, um die Perversion zu perfektionieren.
Für unseren fröhlichen Preiskampf
Aber das Empörende daran ist, dass diese Kartoffeln – ein stellvertretendes Beispiel – dem ägyptischen Markt entführt werden, damit in unseren Ländern ein fröhlicher, gleichzeitig schädlicher Preiskampf stattfindet. Gleichzeitig zieht es die Ägypter auf die Strassen, um auf ihren Hunger aufmerksam zu machen. Ziegler:
[...] Der wichtigste Grund: die Landwirtschaftspolitik der Europäischen Union. Die Industriestaaten der OECD haben ihren Landwirten und Viehzüchtern im Jahr 2007 mehr als 350 Milliarden Dollar an Subventionen für Produktion und Export ausbezahlt. Insbesondere die Europäische Union praktiziert in Afrika das Agrar-Dumping. Das führt in erster Linie zur systematischen Zerstörung der afrikanischen Selbstversorgung mit Grundnahrungsmitteln. [...]
Neuzeitlicher Kolonialismus
Und im Detail sieht das dann folgendermassen aus, wie Ziegler schreibt:
[...] Im Jahr 2007 haben die 500 mächtigsten transkontinentalen Privatgesellschaften mehr als 53 Prozent des Weltbruttosozialprodukts kontrolliert, das heißt aller Reichtümer (Kapital, Dienstleistungen, Waren, Patente usw.), die in einem Jahr auf dem Planeten geschaffen werden. [...]
Jean Zieglers Beitrag sollte man sich sehr gut durchlesen, warum unsere Welt ein riesiges Hungerproblem hat. Die klassische Kolonialzeit ist vorbei. Doch bevor sich jemand deswegen auf die Schulter klopft, muss man wissen, dass unsere reichen Länder einen Rohstoffkolonialismus betreiben, wozu auch der Nahrungsmittelkolonialismus zählt. Nicht erst seit heute!
es ist schon mehr als eine schande, was da tagtaeglich passiert! und zu all’ dem menschengmachten kommen dann noch die naturkatastrophen hinzu, die (wie ich gerade im fernen reich der mitte erleben muss) noch zusaetzliches leid unter die menschen bringen