Zu dumm
15. April 2008 · Von ulp · Rubrik: PolitikZu dumm auch, dass ein “Desperate Federal President”, ein Ex, vermeintlich grosse Würfe abliefert.
Grosse Würfe
Wenn Deutschlands “regierungsamtliche” Boulevard-Zeitung im Interview-Titel schreibt, es gebe ein “Recht auf Dummheit”, so ist die Wahrscheinlichkeit äusserst hoch, dass es sich ebenso um eine Lüge handelt wie die Anrede in der ersten Frage:
[...] Herr Bundespräsident, Ihre berühmte „Ruckrede“ [...]
Zu dumm auch, dass bei dieser Boulevardesque ein “Desperate Federal President”, ein Ex, vermeintlich grosse Würfe abliefert. Der lügt natürlich nicht, denn schliesslich handelt es sich um den ehemaligen Verfassungsrichter und deutschen Alt-Bundespräsidenten Roman Herzog.
Fundamentale Ruck-Erkenntnis
Herzogs fundamentale Erkenntnis lautet:
[...] Es gibt auch ein Grundrecht auf Dummheit [...]
Weil wir alle die selben Rechte haben , gilt dies folglich auch Herzog. Der “Bürger-Herold” meint, dass Herzog reinen Herzens geantwortet hat, nämlich auf die Boulevard-Bemerkung:
[...] Aber selbst der nachweislich Jobs vernichtende Mindestlohn bekommt bis tief ins bürgerliche Lager Umfragemehrheiten von bis zu 70 Prozent. [...]
Diskriminierung inbegriffen
| Ein irriger Gedanke |
|---|
| Überhaupt scheint dem “Bürger-Herold”, dass Roman Herzog im erwähnten Interview einem irrigen Gedanken nachläuft. Denn auf die Frage, warum sich Deutschland nicht bewegt habe, meint er: |
| [...] Weil sich das Volk nicht bewegt. Es gibt zwar eine gewisse Bereitschaft zu Veränderungen. Aber es bräuchte politische Führung, echtes Charisma, um sie zu mobilisieren. [...] |
| Diesen Satz sollte man als Bürger sehr gut lesen – am besten mehrmals. Vereinfacht: Für die Bewegung des Volkes, für eine Mobilisierung der Bereitschaft ist also politische Führung nötig. Steckt da wieder der Traum der gelenkten Demokratie dahinter? Ein kleiner Führer, ein grosser? Oder ein Triumvirat? Dies könnte schon dazu passen, dass die heutige Bundeskazlerin Angela Merkel vor ein paar Jahren deutlicht sagte, die Demokratie sei nicht für die Ewigkeit gemacht. |
Spätestens an dieser Stelle des Interviews dürfte klar sein, wie die neoliberale Propaganda funktioniert – ein bisschen Boulevard, ein bisschen Herzog, und 70 Prozent der Bürger werden mit der Herzog-Antwort en passant diskriminiert.
Jetzt wissen wir es: Die Propaganda-Serie “The Desperate Federal President” läuft – mit einem Bundespräsidenten, der keiner ist, und einem Verfassungsrichter, der einmal war, aber dafür neue Grundrechte und sonstiges propagiert.
Nach Dummheitsrecht, Rentnerdemokratie und Wahlrechtsmasche ist der “Bürger-Herold” auf die nächste Serienfolge gespannt. Zur Zeitüberbrückung gibt es noch die “Hammer-Thesen für dumme Bürger” in der Süddeutschen Zeitung zu lesen – empfehlenswert.