Olympia – der Aufhänger
14. April 2008 · Von ulp · Rubrik: PolitikAnnette Schavan, Deutschlands Forsschungsministerin, ist zu Gast in China, Was sie dort sagen “wird”, wissen wir. Was sie gesagt hat, wissen wir nicht.
Vor und nach der Reise
Über einen Beitrag, den wir bei Readers Edition gerade gelesen haben, erfahren wir, dass die deutsche Forschungsministerin Annette Schavan im Reich der Mitte weilt. Wer reist, kann viel erzählen. Bei Politikern ist das ähnlich.
Nur, die Politiker erzählen bereits viel vor ihrer Reise, denn bei den praktischen Ergebnisse einer Reise weiss man ja nie. Nicht ungewöhnlich, aber dann aussergewöhnlich, wenn bestimmte Ereignisse als Aufhänger dienen: z. B. der Komplex Tibet – China – Olympische Spiele.
Schavan “wird”
Annette Schavan (CDU) “wird”. Und was Schavan “wird”, davon erzählt der “regierungsamtliche” Boulevard: Wer Tibeter unterdrücke, meint Schavan,
[...] muss mit einer klaren Antwort der internationalen Gemeinschaft rechnen. Während meines Besuchs in Peking werde ich Menschenrechtsverletzungen ansprechen und deutlich machen, dass das Vorgehen der chinesischen Führung in Tibet auf keine Akzeptanz stößt. [...]
Vermutlich hat Schavan von den Uiguren in China noch nie gehört, eine unterdrückte Minderheit von rund neun Millionen Menschen (Tiberter in China etwa zehn Millionen). Vielleicht für Schavan nicht so wichtig, weil es sich um Angehörige des sunnitischen Islams handelt.
Erstens, zweitens, drittens
Schavan “wird” noch mehr sagen, wohlgemerkt in drei Stufen:
[...] Erstens: China ist für uns ein wichtiger Partner in Wissenschaft und Forschung. Zweitens: Wir wünschen uns Olympische Spiele in einem friedlichen Umfeld. Drittens: Die chinesische Regierung sollte in einen Dialog mit dem Dalai Lama eintreten. [...]
Ob sie damit Prioritäten gemeint sind, entzieht sich unserer Kenntnis, aber wir nehmen es an.
Hilfe fürs Business
Annette Schavan scheint es sehr wichtig zu bekunden, dass sie einen Olympia-Boykott ablehne, denn
[...] Er würde den Menschen in Tibet nicht helfen. China ist aufgefordert, die Voraussetzungen für friedliche Spiele zu schaffen – und zu beenden, was der Dalai Lama einen kulturellen Völkermord nennt. [...]
Der erste Satz dürfte für die chinesische Führung Musik in den Ohren sein, auch wenn dieser Satz sehr abgedroschen ist. Dennoch steckt in diesem Satz etwas drin, nämlich dass olympisches und sonstiges Business den Vorrang haben. Schliesslich man ja nach den Olympischen Spielen über Tibet sprechen oder überhaupt nicht. Doch wie bereits erwähnt, Annette Schavan “wird” es den Chinesen sagen. Was sie dann tatsächlich gesagt hat, kann man dann an den chinesischen Reaktionen ablesen.