Wumm!
10. April 2008 · Von ulp · Rubrik: MedienZunächst wird die Print- und Werbe-Branche ihre Reste zusammenkratzen und ihren Schrumpfmarkt bis aufs Messer verteidigen.
Ratlose Zirkel
Oliver Reichenstein muss einen besonderen Tag erlebt haben, weil er in der Werbewoche aus der Schweiz den “Sauriern Saures” gibt. Die Breitseite muss natürlich nicht in allen Punkten stimmen. Aber vielleicht braucht es einmal die Portion Provokation, die kalte Dusche für die Print- und Werbe-Branche. Wer Gratiszeitungen drucke und heule,
[...] wenn er dieselbe Information dann online ebenso kostenlos rausgeben muss, wer aus konservativem Geiz die Archive sperrt und grosspurig droht, seinen Traffic-Hauptlieferanten Google vor Gericht zu zerren, gehört zwangspensioniert. [...]
Damit ist in etwa zusammengefasst, wie es in den ratlosen Zirkeln der Werber und Printer aussieht.
“Banale Gründe”
Reichenstein kennt auch die banalen Gründe des Elends in den Verlagshäusern:
- Werber sind verwöhnte Snobs und überlassen Google einen Milliardenmarkt.
- Kommunkationschefs sind verkalkte Sprücheklopfer mit einem Kundenbild, das einem 50er-Jahre-Spot entsprang.
- Online-Werbebudgets leiden unter Gicht.
- CFOs kümmern sich nicht um den Return on Marketing.
- Online-Vermarktungsabteilungen der Verlagshäuser sind machtlos.
- Unternehmensberater können das Wort Interaktion nicht buchstabieren.
- Es gibt keine kompetenten New-Media-Marketer.
Wumm! – aber es wird (noch) nicht ankommen, meinen wir.
Bei der Krise der Print-Medien geht es nicht um ein paar dunkle Wolken (© ulp – Quelle: Thurgauer Zeitung)
Kampf bis auf Messer
Zunächst wird die Branche ihre Reste zusammenkratzen und ihren schrumpfenden Markt bis aufs Messer verteidigen. Notfalls werden sie ihn abschotten wollen, indem sie anderen verbieten wollen, ihre Web-Tätigkeiten einzuschränken, wie bei ARD Tagesschau nachzulesen ist (siehe auch Düsteres Szenario: Viele Zeitungen werden nur noch wöchentlich erscheinen).
Vielleicht sei den Machern doch empfohlen, sich mit Produktlebenszyklen auseinenanderzusetzen. Dabei meinen wir weniger ein einzelnes Produkt, etwas die Zeitung XYZ, sondern die Print-Ära als Gesamtheit. Der unaufhaltbare Aufstieg ist in Wirklichkeit ebenso begrenzt wie die Verweildauer im Zenit. Anschliessend der Abstieg, mit ein paar Tricks vielleicht verzögernd. Gesamthaft gesehen geht es nicht um ein paar dunkle Wolken am Himmel.