Nervende Frage?

8. April 2008 · Von · Rubrik: Medien, Schreiber-Schlacht

Kann es sein, dass durch die Blog-Schreiberei bereits ein anderer, unbekannter Journalismus entstanden ist, ohne dass wir es gemerkt haben?

Bitte nicht so kategorisch

Die kategorische Verneinung ist so eine Sache. Sie hat, wenn man ihr nicht richtig auf den Grund geht, den Geruch der totalen Ablehnung und manchmal die Unterschwelligkeit des “es darf nicht sein, was sein könnte”. In einem Punkt gibt der “Bürger-Herold” dem Spreeblick Recht, denn die Frage, ob Blogs Journalismus seienen oder nicht, nervt mehr und mehr.

Spreeblicks kategorischen Antwort,

[...] Nein, Blogs (als solche) sind kein Journalismus. [...],

wollen wir allerdings nicht zustimmen. Wir finden das nicht nur zu kurz gedacht sondern auch nicht besonders kreativ. Zur Zeit, wenn wir die Blog-Szene betrachten, vermitteln die meisten Blogs wohl kaum den Eindruck, es werde Journalismus betrieben. Blogs sind thematisch breit angelegt, und nur wenige der Schreiber haben das Zeugs zum echten Journalismus. Aber Blogs

[...] im Sinne einer aufmerksamen Öffentlichkeit sind in diesem Prozess längst eine ernst zu nehmende Größe[...]

geworden, wie der Südkurier schreibt. Manche Zeitgenossen wollen dies nicht erkennen.

Inhalte zählen

Wenn wir unseren Denkhorizont mehr auf die Zukunft ausrichten, könnten ein paar interessante Ideen entstehen. Ein Blog ist lediglich ein Gefäss wie andere Medien auch: Radio, Fernsehen, gedruckte Zeitungen und Magazine oder Online-Auftritte etablierter Medien. Es kommt auf die Inhalte an.

Was man so alles in den Medien- und Journalistenschulen lernt, ist bestimmt nicht ohne. Aber wenn wir uns die Realität vieler (etablierter) Medien anschauen, dann fragen wir uns oft, was vom Gelernten in der Praxis übrig geblieben ist. Nun, gut, wir wollen hier nicht Journalismuskritik üben, auch wenn uns manche Inhalt bitter aufstossen.

Eingefahrene Mediengefässe

Unserer Meinung nach stammt die ablehnende Haltung, ob Blogs Journalismus sein könnten, daher, dass wir zu sehr an eingefahrene Mediengefässe, wie oben aufgezählt, gewöhnt sind. Dies betrifft sowohl die Macher der Medien als auch deren Leser, Hörer oder Seher. Neues löst vielfach Ängste aus und führt dann zur Ablehnung. Das Altbekannte wird als letzte Bastion verteidigt.

Sicherlich, man muss nicht jede Entwicklung, wie Blogs, mitmachen, wenn man das nicht will. Allerdings ist es ein Versagen, wenn man die Chancen undiskutiert sausen lässt. Selbst bei Diskussionen, was uns immer wieder auffällt, kommen die ablehnenden Antworten zu schnell: Wollen wir nicht, geht nicht, unmöglich, glauben wir nicht bis hin zu pauschalisierenden Diskriminierungen.

Breite ist kein Nachteil

In den Anfangsjahren der Bloggerei haben Alpha-Blogger die Szene beherrscht. Man hat über sie geredet, sie wurden herumgereicht, bewundert und hochgejubelt. Heute ist die Szene derart gross, so dass die Alpha-Blogger, so scheint uns, nicht mehr so dominant sind. Wir finden das gut so.

Die heutige Breite ist kein Nachteil, weil darin die Potenziale der Möglichkeiten schlummern. Heute, das ist unsere Erfahrung, können wir uns locker ein Blog-”Zeitung”, die es offiziell garnicht gibt, thematisch zusammenstellen. Kein Journalismus? Wirklich nicht? Wir lesen Fakten, Hintegründe, Kommentare und Meinungen, die dem Leben häufig näher stehen als es etablierte Medien vermögen.

Selbst geschaffener Journalismus?

Wenn wir unsere Blog-”Zeitung”, die nur wir sehen und lesen, betrachten, dann ist ein von uns als Leser geschaffener Journalismus entstanden, der mit dem klassischen, einschienigen Journalismus nur wenig gemeinsam hat. Dieser Journalismus, für den wir keinen Namen haben, liest sich anders, ist grenzenlos, braucht kein redaktionelles Credo, ist unabhängig und Unglaubwürdiges filtern wir heraus. Mit dem teilweise vorhandenen schlechten Stil der Blogs haben wir primär keine grossen Probleme. Was ist besser: Die Wahrheit im schlechten Stil geschrieben, oder die stilistisch hervorragend geschriebene Unwahrheit?

Zum Trost: Zu unserer Blog-”Zeitung” – der Name ist nicht ganz passend – gehören Blogs und klassische Medien. Zum Schluss möchten wir nur noch festhalten, dass Blogs als solche auch Journalisten offenstehen und dass nichts dagegen spricht, in Blogs sei kein Journalismus möglich. Heute vielleicht kein Durchbruch. Aber morgen und übermorgen? Die Blog-Journalismus-Fehde ist nervend, weil sonst das Morgen und Übermorgen untergehen.

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2 Kommentare
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  1. Moin Uwe,

    tatsächlich haben wir eine feed-Zeitung in der alles das drin ist, was uns wichtig erscheint. Die Blogs, die Printmedien -Online, die Onlinemodule von TV und Radio, dazu Podcasts und Videopodcasts.

    Das ist zumindest eine neue Art von Zeitung. Was wir davon als Journalismus betrachten bleibt uns überlassen. Heute Morgen warss du das journalistische Highlight, in zwei Stunden ist es etwas anderes. Andere picken sich etwas völlig anderes heraus. Ob wir Perlen finden, hängt aber stark davon ab, welche Quellen wir haben.

    Vielleicht ist es kein neuer Journalismus, sondern eine neue Art von Lesern.

  2. [...] die Köpfe heissreden, laufen selbständige Leser durchs Web und schaffen sich ihre eigene Feed-Zeitung. Stichwörter: Internet, Journalismus, Medien, Verlag, [...]