Propaganda-Orgien

2. April 2008 · Von · Rubrik: Gesellschaft, Politik

Propagandisten rechnen fest damit, dass die Empfänger die Propaganda schlucken und kritiklos hinnehmen.

Steuerung der Massen

Beim Mein Parteibuch stösst der “Bürger-Herold” gerade auf den Beitrag “Der ewige Moslem”. Der Schreiber bezieht sich unter anderem auf die jüngste Kontroverse um Geert Wilders Kurzfilm “Fitna”, in dem eine collagierte Breitseite gegen den Islam gefahren wird. Der Film dient den Propagandazielen einer ganzen Reihe neuer “Kreuzritter 2.0″ oder “Erretter 2.0″.

Im “Mein-Parteibuch”-Beitrag, um was es uns geht, heisst es,

[...] dass bei einem Teil der Bevölkerung dieser Erde dringender Nachholbedarf im Fach Propaganda [...]

bestehe. Dem können wir zustimmen. In Wikipedia steht zum Thema Propaganda:

[...] Propaganda bezeichnet einen absichtlichen und systematischen Versuch, Sichtweisen zu formen, Erkenntnisse zu manipulieren und Verhalten zu steuern zum Zwecke der Erzeugung einer vom Propagandisten erwünschten Reaktion. [...]

Darauf möchten wir näher eingehen.

Altbekannte Formel

Propaganda dient bekanntlich nicht nur dem modernen Kreuzrittertum, z. B. der derzeitigen Islamophopie, oder der politischen Lobpreisung, etwa “die Partei hat immer Recht”. Nein, Propaganda ist allgegenwärtig, zum Beispiel gehört ein Teil fragwürdiger Werbung ebenso dazu.

Wichtig ist zu wissen, dass Propaganda nach einem denkbar einfachen, groben Schema funktioniert: AIDA. Das Schema AIDA ist nicht die bekannte Opernfigur, es handelt sich um die aus der Verkaufstechnik stammenden Formel Aufmerksamkeit wecken (Attention), Interesse wecken (Interests), Drang, den Wunsch zu erfüllen (Desire) sowie Aktion, Kauf, Verkauf oder Handlung (Action). Doch Achtung, nicht alles ist Propaganda gemäss obiger Definition, was nach der AIDA-Formel funktioniert.

Zwei Seiten braucht es

Damit die Propaganda funktioniert, braucht es zwei Seiten: Die Seite des Senders (der Propagandist mit seinen Zielen) und die Seite des Empfängers, der die Zielvorgaben der Propaganda erfüllt. Erfüllt Letzterer die Zielvorgaben nicht, verpufft die Propaganda – zumindest bis zum nächsten Propagandaversuch.

Die Empfänger der Propaganda werden die Freiheit der Propagandisten mit ihrem ewigen “Geschnörre” kaum einschränken können. Aber die Empfänger haben die Möglichkeit, jegliche Propaganda ins Leere laufen zu lassen. Wie? Zum Beispiel durch Ignoranz, Hinterfragung, Entlarvung, Richtigstellung usw. Keine leichte Angelegenheit, denn es benötigt Sachkenntnis, Wissen über die Zusammenhänge und die Fähigkeit, den erwünschten Reaktionen zu widerstehen.

Methode ist alles

Vor allen Dingen müssen wir wissen, wie Propaganda und deren Beeinflussungsmethoden im Detail funktionieren:

  • Vorteile übertreiben
  • Nachteile verniedlichen, verschweigen (ausklammern)
  • Andere Meinungen übergehen, zensieren
  • bewusst falsche Behauptungen aufstellen
  • Missverständnisse in Kauf nehmen
  • Persönlich werden
  • Quellenangabe vertuschen
  • Appell an Emotionen (Vorurteile)
  • Sachverhalte einseitig darstellen
  • Gegenseite verunglimpfen

Diese Aufzählung haben wir nicht erfunden, sie stammt aus Rhetorik.ch. Der sehr lesenswerte Beitrag “Beeinflussung – Manipulation – Propaganda” beschreibt. Oben genannte Liste ist bestimmt nicht vollständig (z. B. Verklausulierungen), zudem kann Propaganda die einzelnen Punkte sehr unterschiedlich gewichten. Wer jetzt fragt, was Populismus ist, erfährt aus obiger Liste wertvolle Hinweise.

Wir müssen Bescheid wissen

Der “Bürger-Herold” meint, wenn wir einigermassen über die Funktionsweise Bescheid wissen, können wir die Propagandisten leichter erkennen und ihnen die richtigen Fragen stellen. Ebenso gehört dazu, sich mit den Antworten nicht einfach zufrieden zu geben. Leider haben wir es mit einem regelrechten Propagandaverbund zu tun, darunter viele Medien, der ein echtes Konglomerat an Propagandisten vereint.

Warum wir auf die Funktionsweise der Propaganda hinweisen, hat einen einfachen Grund: Propagandisten rechnen fest damit, dass die Empfänger unwissend sind, die Propaganda schlucken und kritiklos hinnehmen. Im günstigsten Falle haben die Propagandisten ihr Ziel erreicht, wenn die Propagandaempfänger der Propaganda glauben und sie zur eigenen Meinung machen bzw. danach handeln.

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6 Kommentare
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  1. Schöner Beitrag. Als kleine Inhaltliche Ergänzung möchte ich mir erlauben, noch auf einen besonders wichtigen Verstärkungsmechanismus von Propaganda hinzuweisen: das Zitierkartell (Google-Suche).

    Aus der Wikipedia:

    Wenn der Matthäus-Effekt (Anm Editor: „Wer hat, dem wird gegeben“) durch gegenseitige Gefälligkeitszitate mehrerer Autoren herbeigeführt oder verstärkt wird, spricht man von einem Zitierkartell.

  2. Besten Dank für den Hinweis (Anm.: wir haben den Link anders dargestellt). Im Endeffekt haben wir dann eine Form des Konglomerats, von dem ich geschrieben habe. Im schlimmsten Falle eine Art Rekursion ohne Abbruchbedingungen.

  3. [...] Kleine Checkliste zum Thema Propaganda [...]

  4. [...] ha ha. So kann man das auch nennen, wenn die Leute über die zentral gesteuerte Propaganda lachen. Ein Beispiel dafür: Als der Hurrikan Katrina in New Orleans wütete, hat ein [...]

  5. Die “Seite des Empfängers, der die Zielvorgaben der Propaganda erfüllt”, bedarf es auch bei komerzieller Werbung. Der Unterschied zwischen beiden liegt lediglich im transportierten Inhalt, nicht in der Methode!

    HINT
    Peter

  6. [...] und Band geraten – Populismus in der Praxis. Vielleicht lohnt sich ein Blick in unseren Beitrag Propaganda-Orgien nach dem Zwischentitel “Methode ist alles”. Populismus ist die Kunst der politischen [...]