“Dealer und Junkies”

29. März 2008 · Von · Rubrik: Politik, Wirtschaft

Staat und Finanzwelt arbeiten zur Zeit fleissig an der Sozialisierung aller Verluste. Retten wollen sich beide.

Jämmerlichstes Jammern

In Bittgebet zum Staat hat der “Bürger-Herold” darauf aufmerksam gemacht, wie der Autor auf den Knien herumrutscht und um die Sozialisierung der Verluste der Finanzkrise fleht. Allerdings werden wir das Gefühl nicht los, dass es mehr um die Rettung der Finanzhäuser geht als um die Meisterung der Finanzkrise.

Die Meinung über staatliche Eingriffe stehen diametral gegenüber, wie auch der “Zeit”-Beitrag “Keine Hilfe für die Banken!” zeigt. Josef Joffe formuliert das folgendermassen:

[...] Wer als Kassenpatient billig an Antibiotika kommt, kann aufs penible Händewaschen verzichten, erhöht so die Infektionsrate und die Beiträge für alle. Wenn die Banken und ihre Kunden lernen, dass der Staat sie raushaut, werden sie morgen genauso verantwortungslos handeln. Das programmiert die nächste Blase. Denn Vater Staat signalisiert: »Bereichert euch, das Risiko trage ich.« [...]

Die Doppelleben

Ein Abgesang?
In einem langen, lesenswerten Beitrag in der Zeit schreibt Thomas Assheuer:
[...] Das Unbehagen am Kapitalismus wächst. Nicht einmal Manager vertrauen noch dem Markt. Gerät nun das ganze System ins Wanken? [...]
Ob am Ende das System ins Wanken gerät, wagen wir zu bezweifeln. Selbst in der Annahme, der Kapitalismus in der jetzigen Form klappe zusammen, befürchten wir, dass das Spiel neu beginnt – mit den bekannten Akteuren.

Besser kann man es kaum formulieren. Zudem zeigt es die Doppelleben auf. Einerseits das Doppelleben der Finanzwelt, die so lange jubelt, wenn Lug und Betrug gerade noch abgefedert werden können. Doch wenn die Abfederung versagt, die Finanzwelt auf allen Vieren herumkriecht, dann jammer sie jämmerlichst, damit der Staat sie erhöre.

Andererseits geht es um das Doppelleben des Staates. Dieser schaut dem bunten Treiben der Finanzwelt zu und jubelt lobby-gerecht mit, weil der Staat unterdessen mehr der Wirtschaft verpflichtet ist als dem Schutz seiner Bürger. Kullern die Jammertränen der Finanzwelt, dann erinnert sich der Staat seiner nützlichen Idioten, d. h. seiner Steuer zahlenden Bürger.

Staat – willkommener Mitspieler

Staat und Finanzwelt arbeiten zur Zeit fleissig an der Sozialisierung aller Verluste. Retten wollen sich beide: die Finanzwelt und die Politiker. Letztere Klasse gebärt jämmerliche Gestalten wie das bayerische Finanzgenie Erwin Huber (CSU). Dieser strotzt vor staatsministerieller Inkompetenz, was der Fall BayernLB deutlich zeigt.

[...] Dealer und Junkies waren traut vereint, und der Steuerzahler zahlt. [...],

schreibt Joffe. Das war nicht nur so, sondern das ist immer noch so. Am Ende ist der Staat der willkommene Mitspieler, weil er der Einzige ist, der seinen Bürgern zwangsweise das Geld aus der Tasche saugen kann, also dort, wo gesamthaft gesehen noch viel zu holen ist.

Komisch, vor der politischen Linken, von der eine bessere Welt kaum zu erwarten ist, haben sie alle Angst. Dabei treiben Finanz- und politische Welt einen modernen Staats- und Finanzsozialismus.

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