Die wahren “Sozialisten”

18. März 2008 · Von · Rubrik: Wirtschaft

Selbst wenn man alle Spatzen abschiessen würde, die etwas von den Dächern pfeifen könnten, dürfte wohl klar sein, was in der Finanzwelt abläuft und was auf dem Spiel steht.

Langgezogener Bäng

Wenn es einen Bäng geben sollte, so kommt er im Prinzip nicht überraschend. Er ist ein über Jahre langgezogener Bäng, verursacht durch Schnelle-Geldmacher und Abzocker. Derweil geben Regierungen Beruhigungs- und Durchhalteparolen aus.

Ein deutscher Spatz weilt gerade in Israel und pfeift aus seinem kenntnislosen Loch. Dazu die Reuters-Meldung:

[...] “Es gibt keinen Anlass zur Panik”, sagte ein Regierungssprecher am Montag in Berlin. Wirtschaftsminister Michael Glos sagte in Jerusalem, es gebe derzeit auch keinen Grund für ein Sondertreffen der Industrieländergruppe G7. [...]

Für Glos (CSU) scheint die Welt immer noch in Ordnung zu sein, denn die deutsche Wirtschaft, so Glos’ Credo, werde um 1,7 Prozent wachsen. Als ob das Wachstum die entscheidende Grösse ist, von dem man weiss, dass es nicht dort ankommt wo es sollte. Selbst die deutsche Bundeskanzlerin, Angela Merkel (CDU), und ihr Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) bemühten sich noch vor nicht allzu langer Zeit um Beruhigung und “Don’t panic”.

Vom Stuhl gefallen?

Wie dumm nur, dass die Praxis die ewigen Plapperer überholt. Heute sogar sehr deutlich. Ob Peer Steinbrück vom Stuhl gefallen ist, wissen wir nicht, aber offensichtlich hat er sein letztes Loch gefunden, aus dem er noch etwas pfeifen kann. Doch statt der üblichen Beruhigungsspritzen tönt es laut Spiegel-Bericht von heute zwar verharmlosend, aber bereits anders:

[...] Steinbrück geht davon aus, dass sich die US-Kreditkrise auch in Deutschland bemerkbar macht – und das, obwohl die “ökonomischen Fundamentaldaten” in Deutschland noch “in Ordnung” seien, “Die Auswirkungen auf die Realwirtschaft können nicht verleugnet werden”, sagte er weiter. [...]

Wen kümmert es, ob die “ökonomischen Fundamentaldaten” angeblich in Ordnung sind. Es könnte lediglich heissen, dass die Ökonomie noch ein paar Schläge ertragen kann. Doch in welche Richtung die Schläge geht, sagt Steinbrück nicht, aber dafür macht er eine Ankündigung: “Die Auswirkungen auf die Realwirtschaft können nicht verleugnet werden” (siehe obiges Zitat). Mit anderen Worten: Die Realwirtschaft ist bereits betroffen. Aber darüber diskutiert das Land bereits seit Jahren.

V-Zeichen – nach unten gerichtet

Peer Steinbrück sagt obiges natürlich nicht aus freien Stücken, sondern folgt Deutschlands Vorzeige- und V-Zeichen-Leistungsträger Josef Ackermann von der Deutschen Bank. Wir bemühen dazu einen anderen Spiegel-Bericht:

[...] Angesichts der internationalen Turbulenzen glaubt Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann nicht mehr an die Selbstheilungskraft der Finanzmärkte. Die Versorgung mit Liquidität reiche als Maßnahme nicht aus, sagte Ackermann. Die Regierungen müssten Einfluss nehmen auf die Märkte. Er rief deshalb zu einer gemeinsamen Aktion von Regierungen, Zentralbanken und Banken auf, um das Vertrauen in die globalen Finanzmärkte wiederherzustellen. [...]

Der V-Zeichen Mann, der sonst, wenn bei den Banken alles rund läuft und sie dann am liebsten unter sich bleiben, sie vom Staat nichts wissen wollen, sendet SOS.

heuschrecke.jpgBild: Heuschrecken wird man die Gefrässigkeit kaum abgewöhnen können (© ulp)

Jetzt lechzen sie plötzlich nach Staat, weil sowohl Ackermann als auch sonstige V-Zeichen-Männer haargenau wissen, wo noch Geld zu holen ist. Die Finanzmärkte brauchen Futter. Jetzt sollen die Rettungspumpen in Betrieb genommen werden.

Es darf gepumpt werden

Das Pumpenprinzip ist einfach: Auf der einen Seite wird (Geld) abgesaugt, und auf der anderen Seite sprudelt (Geld) es heraus – in die Finanzmärkte. Für Josef Ackermann und seinesgleichen ist das ein Segen, wenn es die Pumpen sprudeln lassen. Aber die Saugseite, dort, wo abgepumpt wird? Dort fliesst nichts nach, dort werden die kleinen Wachstumsraten schnell aufgebraucht sein, dort hat der Staat das Geld, was ihm nicht gehört, schlicht und einfach abgepumpt – zur angeblichen Gesundung der Finanzmärkte und zur Erkrankung der Realwirtschaft.

Eine Erkenntnis kann man gewinnen, nämlich wer die wahren “Sozialisten” sind. Es sind jene Finanzkreise, die jetzt erbärmlich herumpusten und ihre sagenhafte Verluste mit Hilfe des Staates sozialisieren wollen. Potenzierter Finanzverlust-Sozialismus! Die Finanzbranche gibt sich mühelos “links”, sie kennt oder kannte noch nie Berührungsängste. Und willige “Pumpen” finden sie allemal, denen man dann noch ein Dankeschön zollen soll .

Sinns Unsinn

Hans-Werner Sinn vom Ifo-Institut tritt voll auf die Pumpen-Philosophie und meint im Interview mit ARD Tagesschau vollen “sozialistischen”Ernstes:

[...] Das ist ein Problem der Konstruktion der Finanzmärkte, für das es keine Lösung gibt. [...] Systemkrisen muss man deshalb wohl oder übel mit staatlichem Geld verhindern. [...]

Eine Konstruktion – ein System – ist etwas von Menschen Geschaffenes, die falsch oder richtig sein kann. Es ist jedoch fatal und in unseren Augen fahrlässig zu behaupten, es gebe keine Lösungen, wenn Konstruktionen falsch oder fehlerhaft sind. Womit Sinn auf die Systemkrise überleitet und ausgerechnet er dafür staatliches Geld einfordert, d. h. Geld für die Sozialisierung der Systemkrise. Unsinn!

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2 Kommentare
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  1. Jetzt sind die Spatzen beleidigt, also die echten.

  2. [...] Josef Ackermann von der Deutschen Bank vor ein paar Tagen (siehe Die wahren “Sozialisten”) nicht mehr an die Selbstheilungkräfte der Finanzmärkte glaubte und nach dem Staat [...]