Hinten reinstecken …

4. März 2008 · Von ulp · Rubrik: Gesellschaft, Wirtschaft

… und vorne kommt was raus. Das mach neugierig, besonders wenn die Bertelsmann-Stiftung dahinter steckt.

Bertelmannsche Sinnstiftung

Die Regel ist ganz einfach: Wenn man in ein System hinten etwas reinsteckt, dann kommt vorne dank System etwas heraus. So einfach funktioniert auch ein Wirtschaftsunternehmen. Und da das so ist, will die Bertelsmann-Stiftung aus allem ein Unternehmen basteln. So könnten also die Kinder zu Mitarbeitern der frühkindlichen Bildung werden, damit daraus ein Nutzen entsteht.

Dank Modellbildung, Rechenleistung, Szenarien und natürlich Bertelsmann-Unterstützung ist das frühkindliche Unternehmen schnell geboren, dessen Resultat im volkswirtschaftlichen Nutzen besteht. “Volkswirtschaftlicher Nutzen von frühkindlicher Bildung in Deutschland” heisst die Studie aus der Schweiz. Die beiden Absätze auf Seite 18 sollten genügen:

[...] Die Erhöhung der Krippenbesuchsquote entspricht einer zusätzlichen Betreuung von 155’000 Kindern pro Geburtsjahrgang. Im Querschnitt hätten dafür rund 181’000 zusätzliche Krippenplätze zur Verfügung gestellt werden müssen13.

Der dadurch generierte Nettonutzen in der Summe beträgt 2.1 Milliarden Euro pro betrachteten Geburtsjahrgang (zu Preisen von 2005)14. [...] Nach dem berechneten Szenario entgeht der deutschen Volkswirtschaft ab 2009 für die sechs untersuchten Jahrgänge (von 1990 bis 1995) insgesamt ein Nettonutzen in Höhe von 12,6 Milliarden Euro. [...]

Immerhin haben die Schweizer, die die Studie in Auftrag fabrizierten, den einzigen Sinn des Frühkindlichen entdeckt: das “durchschnittliches Kosten-Nutzen-Verhältnis von 1 zu 2.7″ – dank Szenario und Bertelmanncher Sinnstiftung.

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2 Kommentare
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  1. Als ich eben deinen Artikel zur Bertelsmann-Studie las und das Datum der Veröffentlichung sah, war meine erste Idee: “Zwei Doofe, ein Gedanke!” Denn ich hatte beinahe zeitgleich darüber geschrieben, und sogar mit dem selben Tenor.

    Allerdings ist diese Studie mit ihrer Quintesenz nicht die einzige dieser Art. Mich ärgert es, wenn “Menschlichkeit” nur noch dann funktioniert, wenn sich aus der Umsetzung der volkswirtschaftliche Nutzen errechnen lässt. Höchstwahrscheinlich ist dies der Grund, weshalb es in der Altenpflege so massiv hapert und Magensonden und 8-Stunden-Windeln nachwievor wohl verwendet werden. ….

  2. Natürlich ist diese Studie nicht die einziger ihrer Art. Auch sonst zieht sich die reine Kosten-Nutzen-Rechnung durch fast alle Bereiche. Das weist darauf hin, wohin z. B. wirtschaftliche und politische Kreise steuern. Aus Menschen woll sie Objekte machen.