Durchdrehen statt -regieren
11. Februar 2008 · Von ulp · Rubrik: Gesellschaft, PolitikDeutsche Politker drehen mal wieder durch und sehen ihre “Leidkultur” bedroht. Erwin Huber aus Bayern redet bereits von Gift.
Reif für Hinterhofkabarett-Preis
Deutsche Politiker sind blank – jedenfalls deren Nerven. Was auch immer um sie herum passiert, sie stehen Kopf, kippen aus ihren Schuhen. Statt Durchregieren heisst die Devise Durchdrehen. Echt durchgelöchert, alles Kandidaten für einen Hinterhofkabarett-Preis.
Neuste Nummer ist das Resultat des Besuches des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan, nicht gerade ein pflegeleichter Partner. Aber er hat etwas gesagt, was in deutsche Politikerseelen wie eine Rakete einschlägt: die Idee, türkische Schulen und Universitäten in Deutschland einzurichten. Wenn ernst gemeint, dann sind es nicht einmal schlechte Ideen. Denn Bildung, falls das deutsche Politiker noch nicht gemerkt haben, kann man in jeder Sprache erwerben. Ausser man verhindert sie.
Ein Eigentor
Die politsche Kabarettvorstellung erfasst man schnell, wenn man in der Süddeutschen Zeitung (SZ) liest:
[...] Die Bundesrepublik unterhält heute 117 deutsche Schulen in anderen Ländern, eine auch in Istanbul. In der Stadt gibt es eine weitere deutsch-türkische Schule, die das Abitur anbietet. Demnächst soll es gar eine deutschsprachige Universität in Istanbul geben. [...]
Zusammengefasst: Politiker schiessen gerne Eigentore. Die Bundesrepublik ist kein Einzelfall, denn z. B. die Schweiz unterhält ebenfalls zahlreiche Schweizer Schulen, die sich in manchen Ländern sogar konkurrieren. Jetzt könnte man sich gut fragen, ob es den wild gewordenen Politikern um Bildung geht, um die deutsche oder türkische Sprache oder um das deutsches Wesen.
Gift aus Bayern
Auf Letzteres weist der letzte Satz im SZ-Beitrag hin,
[...] dass es hier nicht um Sprache oder Kultur, sondern um die Abwehr einer Unterschicht geht [...]
Aus dem superdeutschen Bayernland meldet sich der bayerisch-deutsche Doppelbürger Erwin Huber, Zufalls-Parteivorsitzender der CSU, im lauten Boulevard zu Wort:
[...] „Das ist Gift für die Integration“, kritisiert CSU-Chef Erwin Huber gegenüber BILD am SONNTAG. Huber warnt, Erdogans Vorstoß führe „zu Ghettos und zu einer Klein-Türkei in Deutschland“. [...]
Wir gehen einmal davon aus, dass es Huber als stellvertretendes Beispiel nicht um Integration geht, sondern um die Reizwörter Gift, Ghetto und Klein-Türkei. Vielleicht noch ein Gedanke zur Abrundung. Zur Integration braucht es zwei Partner: jene, die sich integrieren wollen, und jene, die die Integration auch zulassen. Jede Front dazwischen lässt jegliche Integration scheitern.