FAZ-Gejammer

16. Dezember 2007 · Von · Rubrik: Wirtschaft

Der Fall der Springer-Tocherfirma Pin, besser der Fall Mathias Döpfner, ist ein Lehrstück für verkorkstes Management.

Die Falschheit des Gejammers

Mathias Döpfner hat mit der Springer-Tocherfirma Pin daneben gehauen und, wenn man so will, 620 Millionen Euro Investition vernichtet, falls ein Verscherbeln von Pin nichts einbringt. Mit dem begonnenen Gejammer fährt die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) heute fort:

[...] Wie viel Schuld hat Döpfner sich dabei selbst zuzuschreiben? Wie sehr haben sich die Mächte gegen ihn verschworen? Denn eines fällt auf: Der Manager Döpfner scheitert regelmäßig nicht an den Widrigkeiten des Marktes. Es ist die Politik, es sind die staatlichen Regularien, die ihn ausbremsen. Das war so bei der untersagten Übernahme von Pro Sieben vor zwei Jahren, das ist jetzt so beim Post-Mindestlohn. [...]

Ein falsches Gejammer der FAZ, indem sie den “Verlierer” Mathias Döpfner feiert und die Schuld bei anderen sucht! Das Scheitern liegt nun einmal an der Widrigkeit des Marktes, im unerbittlichen, kriegsähnlichen Wettbewerb und den daraus folgenden Widrigkeiten, Unternehmen mit tiefen und tiefsten Marktpreisen bei möglichst wenig Aufwand zu betreiben. Und daraus folgt die Marktwidrigkeit, die Löhne knallhart zu kappen, bis den Mitarbeiter von diesen Unternehmen nicht einmal ein Existenzminiumum bezahlt wird.

Führt vom Problem weg

Georg Meck versucht im Beitrag an alte ideologische Schlachten der Bundesrepublik zu erinnern und seinen Lesern zu verkaufen – für uns im obigen Zusammenhang führt Meck allerdings vom Problem weg. Klar, in allen Diskussionen – man verfolge die Tagespolitik – haben wir es immer wieder mit Ideologien zu tun. Insofern können wir manche Meinungen aus der Wirtschaft, z. B. für den Erfolg einkalkulierte Tiefst- und Hungerlöhne, ebenso als ideologisch bezeichnen (wirtschaftlich, unternehmerisch oder management-mässig).

Im Gegensatz zum Mindestlohn sind wir nicht gerade für staatliche Regeln, beispielsweise Manager-Löhne in der Höhe zu begrenzen. Aber dann ist auch die Frage berechtigt, wann, wo und wem nehmen “unbegrenzte” Manager-Gehälter das Geld weg. Dazu gehört auch die Frage, welchen Gegenwert hat ein hochbezahlter Manager und welche andere Gegenwerte werden dadurch vernichtet.

Leistung und Gegenleistung

Die Betrachtung geht auch ohne Ideologie. Der arbeitende Mensch erbringt eine Leistung für andere, die damit Geld verdienen wollen. Dieser arbeitende Mensch muss von dem, der diese Leistung “abkauft”, den richtigen Gegenwert erhalten. Und zwar muss es ein Entgelt sein, das dem Leistungserbringer mehr als ein Existenzminimum für die geleistete Zeit sichert, ohne die gesellschaftliche Solidarität herauszufordern.

[...] Zynisch nennt Döpfner die Vorwürfe von denjenigen, die ihm von vornherein jede Chance aufs Gelingen geraubt haben. [...],

heisst es im Beitrag. Es ist Döpfners Empfinden, aber handelt sich um weitaus mehr als Zynismus, mit Tiefst- und Hungerlöhnen Erfolg haben zu wollen. Dies ist ein Zynismus, der arbeitende Menschen zum “Nichts” degradiert. Das hatten wir alles bereits – vor Hundert Jahren, im Mittelalter. Oder sollte Mathias Döpfner ein mittelalterlicher Herr sein? Er soll es dem “Bürger-Herold” wissen lassen, in welcher Zeit er lebt und wie er seine Verantwortung definiert.

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