Kalt erwischt?
2. Dezember 2007 · Von ulp · Rubrik: WirtschaftWir denken, Mathias Döpfner vom Axel Springer Varlag sollte wenigstens einen Schnellkurs in sozialer Gerechtigkeit besuchen.
Ein schnelles Jammerinterview
Die Einigung auf einen Mindestlohn für die Post habe die Wettbewerber kalt erwischt, schreibt die Allgemeine Frankfurter Zeitung im Interview mit Mathias Döpfner vom Axel Springer Verlag, der seinen privaten Postdienstleister Pin Group betreibt. Logisch, jetzt muss möglichst schnell das Jammer-Interview folgen.
Der “Bürger-Herold” lässt einmal die politischen Aspekt beiseite, dennoch möchten wir auf das Interview hinweisen. Einerseits weist es die typischen Totschlagargumente auf und andererseits die Farcen jener Unternehmen, die von Mindestlöhnen nichts halten. Mathias Döpfner im Interview:
[...] die privaten Dienstleister können sich die Lohnsteigerungen von meist mehr als dreißig Prozent nicht leisten, Massenentlassungen, Betriebsschließungen und möglicherweise Insolvenzen sind die Folge. Mit sozialer Gerechtigkeit hat das nichts zu tun. Die Menschen, die Geringverdienenden, die gerade wieder einen Weg in den Arbeitsmarkt gefunden haben, sind in diesem Kalkül egal. [...]
Reiner Eigennutz
Döpfner gibt damit zu erkennen, mit welchen Hungerlöhnen einschlägige Firmen unternehmerisch profitieren und warum sich diese gegen Mindestlöhne wehren. Döpfner spricht zwar von sozialer Gerechtigkeit, mit dem das nichts zu tun habe. Vermutlich meint er die soziale Gerechtigkeit für die Firmen – man könnte auch vom reinen Eigennutz sprechen. Diese hätte demnach Priorität oder anders ausgedrückt: Die soziale Gerechtigkeit für Firmen, die unterhalb des Mindestlohnes bezahlen, ist die soziale Ungerechtigkeit für die Mitarbeiter. Mathias Döpfner weiter:
[...] Wir dürfen es nicht riskieren, die mehr als zehntausend Arbeitsplätze eines gesunden Unternehmens zu gefährden, weil wir ein politisch verordnetes Verlustgeschäft weiter betreiben. Das wäre verantwortungslos. Wir werden alle Optionen prüfen und schnell Konsequenzen ziehen müssen. [...]
So, so, das Unternehmen ist dann gesund, wenn es Hungelöhne bezahlt. Andernfalls handelt es sich um ein krankes Unternehmen, wenn es die Hungerlöhne nicht mehr bezahlen darf, aber dafür gegenüber Mitarbeitern sozial gerechter handeln würde.
Sie wollen noch den Dank
Wir denken, Mathias Döpfner sollte wenigstens einen Schnellkurs in sozialer Gerechtigkeit besuchen. Sie hat nämlich damit zu tun, dass Mitarbeiter für ihre Arbeit einen vernünftigen Lohn erhalten, damit sie davon anständig leben können. Das ist die unternehmerische Gegenleistung für die Leistung ihrer Arbeitnehmer. Es kann doch nicht sein, dass “gesunde” Firmen ihre fehlende Gegenleistung der gesellschaftlichen Solidarität überlassen, und nur darum “gesund” sind.
Zu Beginn des Interview sagte Döpfner:
[...] Dieser Tarifvertrag dient allein dem Zweck, den aufkeimenden Wettbewerb durch Zementierung eines Mindestlohns zu verhindern. [...]
Das ist seine jämmerliche Interpretation. Dazu muss man sich jedoch die Frage stellen, was das für ein aufkeimender Wettbewerb ist, der sich dem Mindestlohn verweigert. Auf wessen Kosten keimt denn dieser Wettbewerb auf? Wir habe es bereits geschrieben: Auf Kosten unterbezahlter Arbeitnehmer. Und dann sind sie noch extrem stolz darauf, dass solche Firmen Arbeitsplätze schaffen, und erwarten noch den grossen Dank für die Unterbezahlung.
[...] geeinigt. Und wie zu erwarten war, ist das Jammern, gerade im Hause Springer, groß – Döpfner schreibt offensichtlich einen Artikel in der FAZ über sich selbst – dazu muss man …. Ich muss fast schon sagen – leider hat die Große Koalition zu früh den Mindestlohn [...]
[...] Sie sich an Kalt erwischt? erinnern, unser Beitrag vom 2. Dezember 2007? Die Geschichte scheint eine Fortsetzung zu habe: [...]
[...] 620 Millionen Euro Investition vernichtet, falls ein Verscherbeln von Pin nichts einbringt. Mit dem begonnenen Gejammer fährt die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) heute fort: […] Wie viel Schuld hat [...]