Wo kommen wir hin, …
23. Oktober 2007 · Von ulp · Rubrik: Medien, Politik, Wirtschaft… kritische Stimmen zuzulassen? Das wäre ja eine Katastrophe, wenn man diese Frage mit Ja beantworten würden.
Dreimal Beschränktheit
Gleich drei Sachen wollen wir herauspicken, um anschliessend etwas Weniges dazu zu schreiben. In der Schweiz scheint den Liberalen (FDP) die Wahlniederlage schlecht zu bekommen. Da kann es nur ein Fazit geben, wie das Schweizer Fernsehen über den SVP-Steigbügelhalter FDP berichtet:
[...] Diese Wähler verstünden nicht, wie sich Couchepin über die SVP «und besonders Herr Blocher» geäussert habe.
FDP-Nationalrat Ineichen möchte darum bei der Bundesratswahl vom 12. Dezember zusammen mit Moritz Leuenberger (SP) und Samuel Schmid (SVP) auch seinen Parteikollegen Couchepin ersetzt sehen. [...]
Bundesrat Pascal Couchepin (FDP), der Christoph Blocher (SVP) kritisierte, muss also laut Ineichen weg.
Es könnte ja kritische Stimmen geben, mag sich der Energiekonzern EnBW mit einem Vortrag von Al Gore gedacht haben. Der Deutsche Journalisten-Verband protestiert, wie aus seiner Pressemitteilung zu entnehmen ist:
[...] Journalisten, Fotografen und Kameraleute dürfen keine Bilder oder O-Töne aus dem Vortrag für ihre Berichterstattung verwenden. Dies bestätigte der Veranstalter EnBW dem DJV auf Nachfrage.Wie es hieß, aus urheberrechtlichen Gründen. [...]
Und wo wir gerade bei Urheberrechten sind, noch eine Meldung von Netzpolitik:
[...] Die SPD-nahe Friedrich Naumann-Stiftung diskutiert am 1. November in Berlin über “Der effektive Schutz geistigen Eigentums”. Dabei ist man sich nicht zu schade, noch nicht einmal einen Kritiker als Diskussionsteilnehmer einzuladen, bzw. Alternativen zu behandeln. Eine reine Industrie-Lobbyveranstaltung mit unserer Justizministerin, finanziert von Steuergeldern. [...]
Gewiss, drei unterschiedlich Fälle, die jedoch zeigen, wie gross die Angst gewisser Gruppen vor Kritik oder möglicher Kritik sitzt. Sie können und wollen es nicht ertragen, wenn sie beim Stricken ihrer Muster gestört werden. Das heisst, die menschliche Intelligenz der Besitzer der Deutungshoheit ist beschränkt auf “Kritik, nein danke” – ergo halten sie sich die Kritiker vom Leibe. Ist Beschränktheit eine Tugend?
im ersten reflex bin ich versucht zu antworten, in heutigen zeiten ja!
beschränktheit ist doppeldeutig, meint einerseits die geistige unzulänglichkeit, doch das ist ja alles kalkül, intelligent geplant, bewußte manipulation, also gezielte “beschränktheit” – keine tugend sondern masche…
Das meinte ich auch mit meiner Frage am Schluss: Beschränktheit als Masche und Kalkül. Allerdings reagieren so manche Kritikverhinderer derart blitz- und reflexartig, so dass ich den Eindruck bekomme, sie sind doch beschränkt – beschränkt im Horizont, um die vielen Alternativen wahrzunehmen.