Schmerzhaft – für wen?
14. Januar 2012 · Von ulp · Rubrik: Aktuell, Politik, Wirtschaft„Politiker brauchen schmerzhaften Druck der Märkte“ heisst der Titel des „Welt“-Beitrags. Und so meint der Autor, Märkte seien dazu gut, Politiker zur Disziplin zu treiben.
Nicht der Markt, sondern die Marktmacher
Es handelt sich um einen selten unsinnigen Meinungsbeitrag. Schon allein die Kombination Finanzmärkte und Politik anonymisiert die Gesamtproblematik der Finanzkrise. In Wahrheit handelt es sich um getriebene Politiker, die zur Bewältigung wenig Kompetenz zeigen und sie nicht wissen, ob ihre Massnahmen überhaupt Erfolg haben werden. Andererseits handelt es sich bei den Finanzmärkten nicht um ein Gefährt, das führerlos durch die Gegend rast. Sondern in diesen Märkten sind Macher am Werk, die mit ihren Handlungen ganze Staaten in den Ruin treiben können.
Und das mit dem „schmerzhaften Druck“,den die Politiker angeblich brauchen, ist das so eine Sache. In Wahrheit geben die Politiker den schmerzhaften Druck nur weiter, und zwar an die Bürger. Dies deswegen, weil die meisten Politiker mehr dem Kapital verpflichtet sind als dem Wohl des Volkes. Dabei sollte es umgekehrt sein: Politiker müssen den Marktmachern, ob in den Spekulationsmärkten oder in den Banken, die Hölle heissmachen und ihnen ihre Spielräume drastisch eingrenzen.
Das gesamte Spargefasel, das die Politiker unters Volk bringen, verändert die Märkte nicht. Sondern es verschafft den Marktmachern nur Schonfristen, bis sie wieder mit vereinten Kräften wüten und abschöpfen können. Irgendwann geht das Spiel wieder von vorne los, denn die Macher haben ja die Gewissheit, wenn es zur Havarie kommt, die Krise ein weitere Mal sozialisiert wird.