Sozialdemokratische Sorgen

29. Dezember 2011 · Von · Rubrik: Aktuell, Gesellschaft, Kultur

Die deutschen Sozialdemokraten haben weltanschauliche Sorgen. Wollen deswegen so viele SPDler die Welt neu erklären?

Laizismus in der SPD nicht erlaubt

Man kann als Beobachter nur staunen, mit was sich die Parteien beschäftigen. Der CDU sagt man nach, sie sei sozialdemokratischer geworden. Mag sein, denn dies wäre eine plausible Erklärung dafür, dass die CDUler in sozialdemokratischen Gewässern nach Wählern und Mitgliedern fischen wollen. Bei der SPD ist das nicht anders: Sie wollen christlicher sein, was das Fischen im CDU-Teich möglicherweise erleichtert.

Thomas Stamm-Kuhlmann beschreibt in einem FAZ-Beitrag eine SPD-Kuriosität: Christliche oder jüdische Arbeitsgemeinschaften seien innerhalb der SPD erlaubt, hingegen sei es laizistischen Gruppen der SPD nicht erlaubt, den Namen SPD zu verwenden. Phänomenal, die einen dürfen und die Anderen nicht. Wolfgang Thierse (SPD) hat sogar eine Antwort parat, wie dem Beitrag zu entnehmen ist:

Wolfgang Thierse begründet dies damit, dass Laizisten nicht weltanschaulich neutral seien, sondern eine bestimmte Weltanschauung, nämlich die areligiöse, durchsetzen wollten, indem sie dem Staat untersagten, Religionsgemeinschaften zu privilegieren.

Probleme mit der Weltanschauung

Wolfgang Thierse scheint ein paar Probleme mit Weltanschauungen zu haben. Klar, Laizisten wollen, dass Staat und Kirche getrennt sind und die Privilegien der Kirchen im Staat fallen. Was soll daran falsch sein? Für solche Forderungen muss man auch nicht unbedingt Laizist sein. Und sind es nicht Christen der grossen Kirchen, die im Staat ihre Weltanschauung, nämlich die religiöse durchsetzen wollen? Thierse hat noch weniger als kurz gedacht.

Wenn der Laizismus eine Weltanschauung wäre, dann würde sie auch nicht weltanschaulich neutral sein. Aber Hand auf Herz, werte Leser: Sind beispielsweise Christen weltanschaulich neutral? Sie sind ebenso wenig weltanschaulich neutral wie jede andere religiöse Gruppierung, egal ob gross oder klein.

Und überhaupt sind Weltanschauungen nicht den Religionen vorbehalten, denn Ideologien und politische Strömungen stellen bereits Weltanschauungen dar, die den Menschen ständig erklären wollen, wie die „wahre“ Welt aussieht bzw. auszusehen hat. Auf manches kann man gut verzichten.

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