Wirklich albern?

17. Oktober 2011 · Von · Rubrik: Aktuell, Gesellschaft, Wirtschaft

Die Märkte, die aus ihren Machern bestehen, spielen verrückt. Die Finanzen stimmen nicht, Banken sollen Milliarden an Euros bekommen. Und die Politiker laufen wirr umher, weil sie völlig überfordert sind. Es regt sich Protest: Ist das albern.

Besser zuhause bleiben?

Der ehemalige Beauftragte der Gauck-Behörde, Joachim Gauck, halte die derzeitige Finanzmarkt-Debatte für „unsäglich albern“, berichtet „Die Welt“. Weiter heisst es:

Die aktuellen Bürgerproteste gegen die Banken und das Finanzsystem werden sich nach seiner Ansicht nicht zu einer dauerhaften Protestbewegung entwickeln. „Das wird schnell verebben“, sagte Gauck, der bei der Bundespräsidentenwahl 2010 für SPD und Grüne angetreten war, nach „Zeit“-Angaben. „Ich habe in einem Land gelebt, in dem die Banken besetzt waren.“ Es sei zu bezweifeln, dass die Bankeinlagen sicherer wären, wenn die Politiker in der Finanzwirtschaft das Sagen hätten.

Es sieht fast so aus, als wenn Joachim Gauck herumalbert, indem er einen Vergleich zur ehemaligen DDR zieht. Wenn schon ein Vergleich, dann wenigstens richtig. Die ehemalige DDR hat nach anderen Gesichtspunkten funktioniert. Es war eine Diktatur, die keinen Widerspruch duldete, während der privatwirtschaftliche Möglichkeiten sehr wenig Bedeutung hatte. Ohne staatliche Beaufsichtigung und Gängelung lief in allen möglichen Lebensbereichen mehr oder weniger nichts – es sei den, man hat sich mit dem SED-Regime arrangiert. Dem Staat gehörte fast alles.

Warum Gauck die weltweiten Proteste gegen die Finanzmärkte „unsäglich albern“ findet, ist nicht nachvollziehbar. Oder er will der Gesellschaft sagen, bewahrt Ruhe und bleibt besser zuhause. Es geht doch nicht um die Frage, ob der Staat Bankenwesen und die Finanzmärkte in Besitz nehmen soll. Die Hauptfrage besteht darin, ob der Staat seine oberste Aufgabe wahrnimmt, seine Bürger zu schützen. Soll der Staat – in diesem Falle die Bundesrepublik – entfesselte Märkte dulden, in denen vermeintliche Global Players rücksichtslos absahnen und spekulieren und möglicherweise ganze Staatengebilde in den Ruin treiben? Die Antwort kann nur „Nein“ lauten.

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