Es leckt wieder

29. November 2010 · Von · Rubrik: Politik

Seit WikiLeaks neue Enthüllungen angekündigt hat und unterdessen publiziert worden sind, haben wir es wieder mit einem willkommenen Medienereignis zu tun. Die einen Medien freuen sich diebisch, andere berichten darüber skeptisch.

Ernst der Sache überwiegt

Nein, der „Bürger-Herold“ wird es sich allein aus zeitlichen Gründen nicht gönnen, 250’000 Dokumente zu durchforsten. Dafür gibt es die Medien, die sprungbereit nach Gratisstoff schnappen. Doch meistens sind es nur Bruchstücke.

Na ja, wenn der Spiegel aus dem WikiLeaks-Kuchen haraussaugt, die Bundeskanzlerin werde von US-Vertretern “Angela ‘Teflon’ Merkel” genannt, oder der deutsche Aussenminister Guido Westerwelle sei inkompetent, eitel und von überschäumender Persönlichkeit, dann kann man darüber nur schmunzeln. Doch eigentlich überwiegt der Ernst der Sache.

Latrinengeschwätz?

Es kommt uns vor, als handle es sich bei den Persönlichkeitsbeurteilungen um US-amerikanisches Latrinengeschwätz, das ist auch aus unseren Breitengraden bestens bekannt. Vielleicht haben die US-Diplomaten die deutschsprachigen Medien gut gelesen und daraus ihre „Erkenntnisse“ geschöpft. Richtig oder falsch, das ist eine andere Frage.

Stoppt WikiLeaks!“, schreibt Mathlog:

Belanglose Korrespondenzen jedem zugänglich zu machen – wem nützt das?

Möglicherweise nützt es der Klatschpresse, aber diese Antwort wäre zu einfach. Es gibt einen anderen Mehrfachnutzen:

wikiwester

Aus dem Skizzenbuch des “Bürger-Herold”: Für Westerwelle ist es zum Heulen (© ulp)

Nicht nutzlos

Deutsche Politiker lernen – so weit es die entsprechenden Informationen betrifft – ihre umhimmelten US-Partner kennen, die pathetisch ihre deutschen Partner auf die Schulter klopfen, aber dabei fies denken. Der grosse Freund vom anderes Ufer des Atlantiks, so unsere Interpretation, braucht deutsche Politiker als „nützliche Idioten“.

US-Politiker pflegen kuriose Welt- und Menschenbilder, verstehen sich nicht nur als dominierende Weltmacht sondern glauben, dass nach ihrer Sichtweise erst einmal lange nicht kommt. Eine neue Erkenntnis ist es nicht, aber die durchgesickerten Informationen beweisen es.

Neben der Classe Politique gibt es glücklicherweise noch uns Bürger. Darin liegt für sie ein besonderer Nutzen, nämlich zu erfahren, was sich in den Hirnen solcher Diplomaten und Politiker festkrallt. Dies ist keine reine reine amerikanische Angelegenheit, sondern solche Denkarten gibt es auch in unseren Breitengraden. Zudem haben wir Bürger die Möglichkeit, falls wir nicht nur konsumieren, solche Informationen zu prüfen, ob beispielsweise Aussenminister Guido Westerwelle inkompetent, eitel und von überschäumender Persönlichkeit ist. Verfolgt man Westerwelles Arbeit, so ist diese Einschätzung nicht weit von der Realität entfernt.

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