Krokodilstränen

14. Dezember 2009 · Von ulp · Rubrik: Aktuell, Medien

So einfach ist die Welt des Verlegers Alfred Neven DuMont, der vermutlich wie viele andere nicht verstanden hat, wie der Weltenlauf der Publizistik tickt. Jetzt heult er Krokodilstränen.

Im obligaten Jammertal

Klar, es macht Eindruck, von der Erfindung des Buchdrucks vor mehr als 500 Jahren zu erzählen, und dann die Frage zustellen:

Geht nach der weltbewegenden Erfindung des Buchdrucks von Johannes Gutenberg im Jahre 1450 ein die Kultur Europas prägendes Zeitalter zu Ende?

Diese Frage stammt vom Verleger Alfred Neven DuMont[1], der im Kölner Stadt-Anzeiger den Niedergang gedruckter Zeitungsprodukte mit Krokodilstränen begiesst. Deutsche Tageszeitungen hätten, so der Verleger, in den letzten zehn Jahren einen Auflagenverlust von nahezu 20 Prozent erlitten. Das geht ins Geld beziehungsweise an den Gewinn. Die Rotationsmaschinen brauchen Futter, die “armen”, einst mit Inseraten verwöhnten Zeitungsverlage auch. Neven DuMont ist einer von vielen Verlegern, die sich im Jammertal befinden. Im Jammertal wird bekanntlich gejammert, wobei – wie sollte es anders sein – die Anderen die Schuld an der Zeitungskrise haben.

Umwälzungen verpasst
Sicherlich, die Zeitung ist infolge der Erfindung des Buchdrucks ein Kulturgut. Sie wird es auch bleiben. Aber die Gegenwarts- und Zukunftsfrage ist doch, ob die Zeitung ein aktuelles Kulturgut bleibt oder ob es zu einem Kulturgut der Vergangenheit avanciert. Uns scheint, dass DuMont und viele seiner Print-Verlegerkollegen nur noch ihrem Überlebenstrieb folgen und vor lauter Eifer den Umwälzungsprozess, der bereits seit Jahren im Gange ist, völlig aus den Augen verloren haben[2][3] und in allerletzter Not nach Staatsgeldern schreien.

Die Jugend ist nicht schuld

Neven DuMont schreibt weiter:

Die zum Teil dramatische Zeitungskrise in der westlichen Welt, die vor allem in Amerika wie ein Orkan gewütet hat, wurde hervorgerufen durch die Jugend, die sich der Elektronik zugewandt hat und sich vom gedruckten Wort abwendet.

So einfach ist die Welt dieses Verlegers, der vermutlich wie viele andere nicht verstanden hat, wie der Weltenlauf der Publizistik tickt. Vor allen Dingen findet es der “Bürger-Herold” sehr naiv, wenn Neven DuMont so argumentiert. Die Jugend hat sich nicht einfach vom gedruckten Wort distanziert, sondern sie ist den modernen Technologien, den bequemen und schnellen elektronischen Medien gefolgt. Dies darf man den Jugendlichen wirklich nicht übel nehmen. Viel mehr müssen sich viele Verleger an die eigene Nase fassen und dabei fragen, was sie publizistisch versäumt haben, um eine junge Leserschaft zu halten oder zu gewinnen.

Fussnoten:

  1. Alfred Neven DuMont
  2. Der Löwe von Köln hat gebrüllt
  3. Raus aus der Krise

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