Immer wieder sonntags …
22. November 2009 · Von ulp · Rubrik: Aktuell, Politik, Wirtschaft… schlägt das deutsche (Regierungs-)Sprachorgan zu, um den Menschen bürgernah zu erklären, wie die Welt funktioniert bzw. wie sie zu funktionieren hat. Heute hat der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble das Wort.
Seltsamer Finanzminister
Es ist ein seltsames Interview, das Wolfgang Schäuble (CDU) dem Boulevard gibt. Zu Beginn ein bisschen über Schäubles Mutti, die echte, dass Schäuble Bargeld in seinem Portemonnaie und ein Häusle abbezahlt hat. Und Schäuble weiss nicht, wie die Bank sein Geld angelegt hat. Ebenso erfährt der Leser, dass Schäuble Herr über 86 Mrd. Euro ist, neue Schulden versteht sich, die er in in rund zehn Jahren abgestottert haben will.
Der zweite Teil des Interviews ist knackiger. Aha, Schäuble wird angesichts der Raffgier sehr nachdenklich, die alles zerstöre und schon wieder um sich greife. Für die beiden Interviewer ist die Raffgier allerdings nicht so relevant. Um so relevanter die Vorlage an Schäuble, was er wohl den Banken sagen würde, die von sich behaupten:
Die Banken mit den höchsten Bonuszahlungen haben die geringsten Probleme, weil sie die besten Leute haben.
Einfach lächerlich
Dazu Schäuble:
Das ist objektiv richtig, und das ist auch bei Zeitungen oder Sportvereinen nicht anders. Wer Erfolg hat, kann seine Leute gut bezahlen und umgekehrt.
Dieses Zitat ist einfach lächerlich, denn es kommt immer darauf an, was unter Erfolg zu verstehen ist. Sind es die fette Boni, saftigen Dividenden, schlechten Löhne oder der Ruin der anderen? Erfolg ist eben nicht gleich Erfolg, Erfolg kann für andere Misserfolg bedeuten. Und gerade die Finanzkrise, deren Auswirkungen noch lange dauern werden, zeigt doch, wie die Erfolge vor der Krise bereits Misserfolg geschwängert waren.
Zusammengereimt
Was sich der Finanzminister zuammenreimt, zeugt von verquertem Denken. Die Erfolgreichen mit “besonderer Verantwortung”, so Schäuble, müssen den Nicht-so-Erfolgreichen gegenüber vermitteln,
dass dieses System fair und gerecht ist. Und dafür braucht es ein gewisses Maß an Zurückhaltung. Damit unsere Gesellschaft zusammenhält, müssen „die da oben“ auch Verständnis für „die da unten“ haben. Das Gefühl, dass es in der Welt gerecht zugeht, darf nicht immer schwächer werden.
So so, „die da oben“ bestimmen, was “fair und gerecht” ist, “die da unten” werden einfach nicht gefragt. Möglicherweise gehört Wolfgang Schäuble zu den Aliens, sonst würde er nicht von der gefühlten Weltgerechtigkeit sprechen. Das Gefühl der Weltgerechtigkeit ist eine Maske, denn diese Gerechtigkeit existiert – die Welt global gesehen – mehr oder weniger überhaupt nicht, auch wenn punktuell durchaus eine Gerechtigkeit zu finden ist. Schäuble täuscht etwas vor, aber die Menschen wissen es wirklich besser als der Finanzminister!
[...] siehe auch das Zusammengereimte von Wolfgang Schäuble [...]