G-20-Schaulaufen
2. April 2009 · Von ulp · Rubrik: Politik, WirtschaftBeim “Bürger-Herold” ist der Eindruck entstanden, die Zweckgemeinschaft der G-20-Staaten will nur sich retten, der Rest der Welt muss folgen.
20 versus 170 Länder
Es gibt in dieser Welt gut 190 Länder – grosse und kleine, reiche und arme. Aber es sind lediglich 19 Industrie- und Schwellenländer und die Europäische Union (G-20), die sich anschicken, die Finanzkrise in den Griff zu bekommen.Schon alleine das zahlenmässige Missverhältnis der G-20 zum Rest der Welt ist ein Hinweis darauf, wer bestimmend sein will. Ob der Londoner Gipfel, das Schaulaufen der bekannten intenationalen Wichtigtuer zu konkreten Resultaten führt? Die Frage kann der “Bürger-Herold” nicht beantworten. Wenn viele Ökonomen, meinen wir, wegen der Krise schon ratlos sind, weil das Krisenausmass in ihren Modellen kaum oder nicht vorkommt, so ist von der politischen Szene bestimmt nicht viel zu erwarten.
Der derzetige Aktionismus, der kaum zu den Wurzeln der Krise vordringt, soll die Welt retten, genauer ihre Finanzen. Jedoch ist beim “Bürger-Herold” der Eindruck entstanden, die Zweckgemeinschaft der G-20-Staaten will nur sich retten, der Rest der Welt muss folgen. Damit hätten wir das alte Schema: Wenige wollen über Viele bestimmen. Allerdings ist zu bedenken, dass die G-20-Staaten lediglich eine Art informelle Interessensgemeinschaft ohne Mandat sind, die mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner agieren. Ansonsten sind die G-20 alles andere als ein Herz und eine Seele.
Die Welt versteht sehr wohl
Gestern gab es im “Spiegel” einen Gastbeitrag von Nicolas Sarkozy zu lesen, in dem er sich zu Reform des Finanzsystems, Hilfen für die Wirtschaft und Krisenmanagement äusserte. Im zweiten Teil des Beitrags heisst es unter anderem:
[...] Ein Scheitern dürfen wir uns nicht erlauben – dies würde die Welt nicht verstehen, und dies würde uns die Geschichte nicht verzeihen. [...]
Der “Bürger-Herold” kann dieses Zitat nicht unterschreiben, weil viele Bürger dieser Welt sehr wohl verstehen, zwischen politischer Redereien und der Wirklichkeit zu unterscheiden. Und ausserdem kann die Geschichte nichts, Geschichte ist wie sie ist. Sarkozy sollte es den Menschen überlassen, den Londoner Gipfel, der morgen bereits Geschichte ist, im Licht der Realität zu betrachten und zu beurteilen. Übrigens: Wer sagt denn, dass der heutige Londoner Gipfel ein geschichtliches Ereignis sei? So etwas behaupten nur Politiker.