Die systemrelevante Kanzlerin

5. März 2009 · Von · Rubrik: Politik, Wirtschaft

Heute zeigt die Politik mehr oder weniger, auf welcher Seite des Systems sie steht, nämlich auf der Seite des Systems “Krisenverursacher, -gewinnler und -manager”.

Im Soge des Wahns

Dank unserer nicht existierenden Zeitung – von unserem Feed Reader zu Facts, Medienspiegel und dann weiter – beim Beitrag Information für die Elite gelandet. Lesenswert, sehr lesenswert! Darum erübrigt sich eine Rezension unsererseits. Dennoch der kurze Hinweis auf das letzte Kapitel “Im Westen gibt es kein «Glasnost»” – genug Stoff zum Nachdenken. Unter anderem schreibt Roman Berger:

[...] Und das erklärt, warum die Krisenverursacher und Krisengewinnler auch die Krisenmanager bleiben. [...]

Gedanklich führt der “Bürger-Herold” diese Dreiergruppe zu einem theoretischen System zusammen, in dem sich systemrelevant all das abgespielt hat bzw. abspielt, was im Soge des Wahns zu Krisenverlierern führt. Die gibt es zwar in diesem Dreiersystem, aber der “Bürger-Herold” meint mehr jene Krisenverlierer, auf deren Rücken vor dem Verlust die Krisenverursacher, -gewinnler und -manager ihre mehrarmigen Systembanditen aufgestellt haben.

“Begnadete” Systemkanzlerin

Heute zeigt die Politik mehr oder weniger, auf welcher Seite des Systems sie steht, nämlich auf der Seite des Systems “Krisenverursacher, -gewinnler und -manager”. Ja, ja, die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) versichert inflationär, dass sie für die Menschen arbeite. Aber wahrscheinlich arbeitet sie lediglich im Sinne der “Systemrelavanz”. Dieser Begriff ist an sich nicht unsinnig, setzt jedoch voraus, man kennt das System und dessen Grenzen.

Die “begnadete” Physikerin Merkel müsste wissen, was Systeme[1] und Systemgrenzen sind. Es gibt kleine und grosse Systeme – etwa einzelne Unternehmen oder eine Familie – und Systeme, die mit anderen Systemen ein neues System bilden: Aus einzelnen Unternehmen entsteht ein Wirtschaftssystem, aus Familien oder Individuen eine Gesellschaft. Das Eine kommt ohne das Andere nicht aus.

Merkel – setzen!

Angela Merkel spricht von Systemrelevanz, ganz offziell, damit man ihr glaubt:

[...] Der angeschlagene Autokonzern Opel ist aus Sicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) “kein systemrelevantes Unternehmen”. Das sagte die Kanzlerin nach Informationen der “Rheinischen Post” in der Sitzung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

“Es gibt systemrelevante Finanzinstitute. Es gibt aber keine systemisch wichtigen gewerblichen Unternehmungen”, sagte Merkel nach Informationen aus Teilnehmerkreisen. [...],

berichtet der “Spiegel” in Merkel lehnt Bevorzugung von Opel ab. Wieder mal eine tolle bemerkenswerte Merkel-Leistung zum Beweis, dass die Bundes-Mutti von wirschaftlichen Zusammenhängen nicht viel versteht. Noch bemerkenswerter allerdings, wie Merkel die rund 50’000 deutsche Opel-Arbeitsplätze aus ihrem System kippt und im Prinzip damit zur Systemirrelevanz erklärt[2][3].

Schuld und Belohnung

Merkels Systemleistung der anderen Art kann bedeuten, dass sie mit ihrer Truppe nur das macht, was die Gruppe der grossen “Krisenverursacher, -gewinnler und -manager” erwartet – natürlich in systemrelevanter Verpackung[4][5][6][7]. Doch wenn man genau hinschaut, dann passiert folgendes: Die Krisenverursacher, -gewinnler und -manager produzieren einerseits den grössten Mist der letzten 60 Jahre. Und diese Schuld soll jetzt andererseits im selben Kreis durch alle möglichen Rettungspläne durch den Staat belohnt werden.

Artur P. Schmidt schreibt in Die Idiotisierung der Finanzmärkte:

[...] Die Bereicherungsmentalität der Banken wird sich so lange nicht ändern, bis sie für ihre Fehler bluten müssen – und dies wird nicht der Fall sein, wenn sie am Tropf der Steuerzahlers hängen. [...]

Allerdings geht es nicht nur um Banken, denn zum illustren Kreis gehören zahlreiche Helfer ebenso wie noch zahlreichere Helfers Helfer. Damit schliesst sich ein Systemkreis, der für Angela Merkel  ihre gepriesene Systemrelevanz darstellt. Die Krux dieses erpresserischen Systems: Tut der Staat nichts, dann kracht womöglich ein ganzer Staat zusammen – tut er etwas, dann belohnt er die Falschen.

Fussnoten:

  1. System
  2. Wen die Opel-Pleite bedroht
  3. 100-Milliarden-Fonds diskriminiert Mittelständler
  4. Sind die Spiegeljournalisten aufgewacht? Das wäre in jedem Fall gut. (Teil XI Finanzkrise)
  5. Die verdrängten Sünden der Heuschrecken-Bändiger
  6. Millionen für Milliardenverluste?
  7. Das Spiel ist aus

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