Vier Jahre sind dahin

12. Februar 2009 · Von · Rubrik: Weltkonflikte, Wirtschaft

Von einer Krise zu reden ist fast sträflich, wenn die Produktion regelrecht implodiert – neue EU-Zahlen.

Krise der Implosion

Es hat lange gebraucht, bis die Europäische Union erkannt hat, dass es mit der EU-Industrieproduktion nicht nur hinuntergeht, sondern dass sie mit dem Jahr 2008 im Prinzip einen Zusammenbruch erlebt[1][2]. Von einer Krise zu reden ist fast sträflich, wenn die Produktion regelrecht implodiert.

Die saisonbereinigte Industrieproduktion, teilt Eurostat mit, sei im Dezember 2008 gegenüber November 2008 in der Eurozone2 (EZ15) um 2,6 Prozent und in der EU27 um 2,3 Prozent gefallen. Relativ kleine Zahlen, könnte man meinen, aber im gesamten Zeitrahmen gesehen, kann man nur noch die Augen verdrehen. Dazu die folgende Eurostat-Grafik der “Produktion von Eurozone und EU27 – Gesamtindustrie ohne Baugewerbe”.

Die EU-Teufelsgrafik

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Entwicklung der Industrieproduktion der Europäischen Union (Quelle: Eurostat)

Allerdings handelt es sich bei der Grafik um Durchschnittswerte der Europäischen Union, wobei die Resultate von einzelnen EU-Ländern vom Mittelwert abweichen können. Deutlich zeigt die Grafik, wie die Industrieproduktion im gesamten 2008 von etwa 115 Indexpunkten auf rund 102 gesunken ist (Jahr 2000 = 100). Das ist ungefähr der Stand vor fünf Jahren. Dazu ein Vergleich: Es hat ab 2004 vier Jahre gebraucht, bis der Stand der Prouktion von 102 auf 115 gestiegen ist, und innerhalb eines Jahres ist alles dahin.

Politik im Wachschlaf

Zur Zeit erzählen Politiker, die Krise werde wohl noch bis und mit 2010 dauern und dann gehe es wieder aufwärts. Natürlich, der “Bürger-Herold” kann keine Prognosen erstellen, aber das können die Wirtschaftswissenschaftler eigentlich auch nicht. Wir erstellen mal ein einfaches Szenario (keine Prgognose!): Würde man die selbe Wachstumsrate der vier positiven Jahre zu Grunde legen, schriebe man Ende 2012, um den gleichen Indexstand von Ende 2007 zu erreichen. Voraussetzung: Es geht von nun an aufwärts. Diese Voraussetzung dürfte ebenso eine Illusion sein wie die Annahme der Wachstumsrate dieser besagten vier Jahre. Ausserdem weiss niemand, wie und bis wann sich die Finanzmärkte erholen und ob der hohe Indexstand je wieder erreichbar ist..

Noch ein Zusatzgedanke: Wann hat die Politik damit begonnen, über die Rettungspläne gegen die Finanzkrise zu reden? Das war vor rund einem halben Jahr, obwohl die Glocken bereits im Sommer 2007 geläutet haben[3][4]. Fassbare Rettungspakete – in Deutschland Schutzschirme genannt – gibt es ab Herbst 2008[5]. Bislang ging es nur um die Finanzmärkte, ab etwa November 2008 dann um die Konjunktur[6]. Dazu ein Blick auf die Grafik in Verbindung zu unserer folgenden Bemerkung: Die wachschlafende Politik wird erst richtig aktiv (Herbst 2008), als die Industrieproduktion bereits sieben bis acht Punkte unterhalb des Höchstwertes von Ende 2007 lag (im Sommer rund vier Punkte unterhalb).

Fussnoten:

  1. Krise ohne Beispiel
  2. Absturz der Industrieproduktion schockiert Experten
  3. Aus der US-Krise wird eine weltweite Krise
  4. Das Ende der US-Investmentbanken
  5. Der Monat der Rettungspakete
  6. Die Konjunktur kippt

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