Rabenschwarzer Tag
29. Januar 2009 · Von ulp · Rubrik: Politik, Weltkonflikte, WirtschaftAuch wenn “Mutti” Angela Merkel, deutsche Bundeskanzlerin, morgen auf dem WEF ihre Textbausteinrede halten wird, darf es nicht darüber hinwegtäuschen, dass das WEF spätestens seit der Finanzkrise eine obsolete Angelegenheit ist.

Rabenplakat: Erinnert symbolisch an einen Knaben aus einer Volkspartei (Quelle: Strassengraben)
Was sind schon Symbole?
Menschen, Parteien, Ideologen, Patrioten, Gottesleute usw. scheinen Freude daran zu haben, sich irgend welcher Symbole zu bedienen. Mit einer bestimmten Bedeutung, versteht sich. Mitunter kann es passieren, dass Symbole, falls gezeigt, missachtet oder nicht gebührend beachtet, zum Streitobjekt werden. Allerdings kann man einem Symbol locker andere Bedeutungen abgewinnen.
Nehmen wir beispielsweise das Abstimmungsplakat der schweizerischen Freizügigkeitsgegner (Abstimmung am 8. Februar 2009): Schwarze Raben greifen nach der Schweiz – so wollen es die Freizügigkeitsgegner – zum Beispiel die Schweizerische Volkspartei (SVP) – verstehen. Diese Gegner, was dann perfide ist, wollen auch, dass das Stimmvolk gefälligst das Symbol in ihrem Sinne zu verstehen hat.
In den GRaben gefallen
Nur, wer sagt denn, dass diese schwarze Raben von ausserhalb der Schweiz stammen? Gibt es schweizerische Raben, symbolisch gesehen, die nach der Schweiz greifen, die etwas anderes wollen als sie vorgeben? Nun lassen wir mal die Raben beiseite, denn als sehr intelligente und gesellige Vögel verdienen sie es nicht, für Denkausfälle der Menschen hinzuhalten. Springen wir kurz nach Davos, wo zurzeit das “World Economic Forum”[1] (WEF) stattfindet. Ein paar Verwegene sind in den GRaben gefallen, weil es ebenfalls um ein Symbol geht.
Wie das Schweizer Fernsehen berichtet, ist
[...] die Geschäftsführerin eines kleinen Ladens in Davos, am Mittwochmorgen vor Öffnung ihres Geschäfts von der Polizei aufgefordert worden, eine Tibet-Fahne und Gebetsbücher aus dem Schaufenster zu entfernen. Die Polizei begründete dies mit dem Besuch der chinesischen Delegation in Davos. [...]

Tibetische Fahne (Quelle: Wikipedia)
Das St. Galler Tagblatt berichtet sogar davon, die Flagge sei beschlagnahmt worden. Um die Fahne geht es weniger. Hier geht es unserer Meinung nach um den Eingriff der polizeilichen Gewalt in eine Privatsphäre, also um eine Verletzung von Grundrechten einerseits[2]. Die Begründung ist andererseits geradezu hanebüchen, weil es sich um einen Kotau vor der Befindlichkeit der chinesischen Delegation handelt.
Bündner Kniefall
Der Bündner Kniefall bedeutet mehr: Es handelt sich um einen Import chinesischer Vorstellungen von demokratischen Freiheiten. Und diese existieren in China praktisch nicht. Der Vorfall beweist ein seltsames Kuschverhalten der Bündner Polizei vor der Staatsmacht Chinas, indem sie ein Grundrecht zum Gefallen des chinesischen Staatspräsidenten Wen Jiabao temporär ersatzlos streichen. Allgemein gesehen passt es in ein Konzept, Davos wegen des WEF in eine Festung zu verwandeln und den Teilnehmern des Forums eine obskure Ehre zu erweisen.
Auch wenn “Mutti” Angela Merkel, deutsche Bundeskanzlerin, morgen ihre Textbausteinrede halten wird[3], darf es nicht darüber hinwegtäuschen, dass das WEF spätestens seit der Finanzkrise eine obsolete Angelegenheit ist, eine dreistfreche Veranstaltung mit Teilnehmern[4], die teilweise für die Finanzkrise[5] mitverantwortlich sind.
Fussnoten: