In den Schoss …
27. Januar 2009 · Von ulp · Rubrik: Kultur… der Kirche zurückgekehrt. Der Papst als “Quelle grosser Freude”, Holocaust-Leugnung unter ferner liefen.
Kam ein Auto geflogen
In den Schoss der Kirche zurückkehren kann man, wie wir heute gelernt haben, auf mehrerer Arten: auf freiwilliger Basis, aufgrund physikalischer Gesetze und mit der Treffsicherheit der Unfehlbarkeit. Die freiwillige Basis ist dem “Bürger-Herold” eigentlich egal. Das physikalische Gesetz ist hingegen interessanter, nämlich die Wurfparabel oder der Schiefe Wurf[1]. Nix da, niemand muss die schönen Gleichungen aus dem FF kennen, diese kleine Animation genügt.
Autofahrer können durchaus – meistens wider Willen – mit der Wurfparabel Bekanntschaft machen. Jedenfalls ist es diesem unglücklichen Fahrer gelungen, mit Hilfe des physikalischen Gesetzes durch die Luft zu “schiessen” und unter Einhaltung der Energie in einem Dach zu landen. Nicht irgendein Dach, sondern im Dach einer Kirche. Das Auto ist samt Fahrer, was zu beweisen war, in den “Schoss der Kirche zurückgekehrt”, obwohl eine Etage höher.
| Offene Hintertüre |
|---|
| Dass jüdische Kreise über das päpstliche Vorhaben empört sind, ist mehr als verständlich. Doch das Thema an sich und die Empörung geht die Christen ebenso an, deren kirchliche Vertreter mit der Aufarbeitung ihres Verhaltens während der Nazi-Zeit teilweise erhebliche Mühe haben. |
| Die Schweizer Bischofskonferenz erklärte, “dass nach dem Recht der katholischen Kirche die Aufhebung der Exkommunikation noch nicht die Versöhnung oder Rehabilitierung, sondern erst die Eröffnung eines Weges auf Versöhnung hin ist”. D. h., die Schweizer Bischofskonferenz behält sich alle Wege offen. Bedauern? Ja, auf die übliche Art, indem sie sich für die “Irritationen” entschuldigt, die entstanden seien. |
| Dass die Leugnung des Holocaust inakzeptabel sei, sagt auch der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, im ARD/ZDF-Morgenmagazin: [...] “Williamson wird früher oder später seine Äußerungen zurückziehen müssen”, sagte Kopp. Die Kirche habe Mechanismen, auf ihn einzuwirken. [...] Aber: Die Hintertüre bleibt für Williamson offen. |
Raus- und Reinwürfe
Jetzt kommt es aber dicker. Der deutsche Papst Benedikt XVI. ist nicht auf physikalische Gesetze angewiesen, obwohl es sich um Würfe, nämlich Raus- und Reinwürfe handelt. Hier geht es eher um die Unfehlbarkeit der Päpste. 1988 hatte Papst Johannes Paul II. genug und schmiss den katholischen Tradionalistenbischof Marcel Lefebvre[2] und Andere raus (Exkommunikation). Jetzt sollen vier Lefebvre-Anhänger wieder rein, nach dem Raus- nun ein Reinwurf, weil es Papst Benedikt XVI., Besitzer der Unfehlbarkeit, so will[3].
Würde Lefebvre noch leben, könnte er vom päpstlichen Gnadenakt[4] profitieren, aber er befindet sich definitiv im ewigen Ruhezustand. Um so mehr hat der britischen Bischof Richard Williamson[5] etwas davon. Denn der erfreut sich seines Lebens und der “Mitgliedschaft” bei den Holocaut-Leugnern, was wiederum bei Rechtsextremen seine Wirkung nicht verfehlt.
Übles Video
Benedikt XVI. hat nicht viel mit der Physik zu tun, aber mit der Metaphysik[6], seine Vorgänger ebenso. Wenn wir von Raus- und Reinwürfen geschrieben haben, könnte man von metaphysischen Wurfparabeln sprechen. D. h., die geistigen Wurfgeschosse folgen metaphysischen Wurfparabeln und “schlagen” dann irgenwo ein. Das Ziel, die Einigung der Kirchen unter dem Mantel der katholischen Kirche[7], wäre machtvatikanischpolitisch noch verständlich. Aber aus historischer Sicht ist es eine Beleidigung.
Wir haben uns eines der Videos (hier nicht verlinkt) angeschaut, in dem Bischof Richard Williamson im schwarzen Rock, mit ernsthafter Mine und gottesmännlicher Stimme deutlich erklärt, es gebe keine historischen Beweise, dass Gaskammern existiert hätten und dass Juden darin umgebracht worden seien. Vor allen Dingen seien es nicht sechs Millionen ermordete Juden gewesen sondern nur 300’000. Zum Übelwerden, was dieser Mann sagt.
“Quelle grosser Freude”
Und Benedikt XVI., normalerweise im weissen Rock, scheint dies nicht zu stören. Ob es dem Papst die Stimme verschlagen hat, können wir nicht sagen. Aber als Ersatz gibt es den Direktor des vatikanischen Presseamtes, Federico Lombardi SJ, der zwar meint, Williamson’s Aussagen seien in “in keiner Weise akzeptabel”, aber die
[...] mit dem Dekret vom 21. Januar erfolgte Rücknahme der Exkommunikation der vier Bischöfe der Bruderschaft habe nichts mit den Vorwürfen gegenüber Williamson zu tun, insofern es sich „um eine andere Sache“ handle. Die Geste des Papstes sei eine Quelle großer Freude. [...]
Was soll das heissen, “eine andere Sache”? Sicherlich, die Umkehr der Exkommunikation und die Holocaust-Leugnung sind völlig Verschiedenes, aber keine Sachen: Hier geht um Geisteshaltungen. Sie haben sogar ein Bindeglied, in diesem Falle in der Person des für Empörung sorgenden Bischofs.
Mehr als eine Bagatelle
Der Papste als “Quelle grosser Freude”, Holocaust-Leugnung unter ferner liefen. Der “Bürger-Herold” geht davon aus, dass kritische Zeitgenossen als auch kritische Katholiken diese Freude nicht teilen werden. Dafür gibt es keinen Grund. Die Theologin Uta-Ranke Heinemann, selbst Opfer päpstlicher Unfehlbarkeit, meint laut Spiegel zum Thema:
[...] der Papst, der den Anspruch erhebe, in Glaubens- und Moralfragen unfehlbar zu sein, bagatellisiere mit dieser Ex-Exkommunikation den Antisemitismus [...]
Wir meinen, es ist mehr als eine Bagatelle. Was würde der Papst, dem man ausgezeichnete philosophische Fähigkeiten nachsagt, auf diesen Vorwurf antworten? Wir wissen es nicht. Vielleicht würde er von einem Sprecher verlautbaren lassen, die Welt verstünde das nur falsch, es handle sich lediglich um ein Missverständnis. Nur: Das Geschoss der Holocaust-Leugnung, das Williamson abgeschossen hat, hat sein Ziel mit indirekter Hilfe eines unbedachten Papstes bereits erreicht[8] und könnte sich daher weiter verbreiten.
Fussnoten:
Was die Päpste alles anrichten können mit ihren Exkommunikationen und Ex-Exkommunikationen… und gerade bei Holocaustleugnern ist das sehr bedenklich. Ich meine, wenn der wirklich von Rechtsextremisten gefeiert wird, sollte das doch zu denken geben??
[...] In den Schoss … [...]