In der PR-Schlacht

10. Januar 2009 · Von ulp · Rubrik: Weltkonflikte

Die Öffentlichkeit wird nie ganz informiert sein, was sich zur Zeit im Nahen Osten genau abspielt und in welchem Kontext.

Dick aufgetragen

Der “Bürger-Herold” würde Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, gerne Recht geben, wenn sie denn hätte, was sie im Interview im Merkur aus München der Welt mitteilt. Ihre Ausführungen über den Gaza-Krieg sind ebenso einseitig, wie ihr Vorwurf an die deutsche Medienberichterstattung. Wenn Knobloch meint, die einseitige öffentliche Debatte über diesen Konflikt sei für sie völlig unverständlich, dann nehmen wir an, dass Frau Knobloch nicht genug informiert ist. Oder sie bezieht sich lediglich auf Quellen, die wirklich einseitig berichten.

Die Öffentlichkeit wird nie ganz informiert sein, was sich zur Zeit im Nahen Osten genau abspielt und in welchem Kontext. Dafür sorgt die Filterung der Kriegsberichtserstattung. Charlotte Knoblauch trägt unseres Erachtens sehr dick auf, wenn sie sagt:

[...] Egal, welche Medienberichte ich mir in den vergangenen Tagen angesehen habe: Sie stellen alle vollkommen rücksichtslos den Blickwinkel der Palästinenser dar. Es wird ausgeblendet, dass die Terrororganisationen Hamas und Hisbollah seit Jahren Raketen auf israelische Städte feuern. [...]

Sehr wohl war in deutschen Medien über die Raketenbeschüsse auf Israel immer wieder zu lesen. Charlotte Knobloch ist wirklich nicht richtig informiert.

Dramatik auf allen Seiten

Wir behaupten nicht, die Berichterstattung sei ideal ausgewogen, aber einseitig ist sie deswegen nicht. Nun hat sich jedoch etwas entwickelt, was ebenfalls nicht ausgeblendet werden darf, z. B. dieser unverhältnismässige Gaza-Krieg mit einer Opferzahl auf der palästinensischen Seite, welche die Opferzahl auf der israelischen Seite bei weitem übersteigt.

Der Lehrmeister ist wieder da
Die Politik des Appeasement gegenüber dem Regime in Teheran sei ein Fehler gewesen und sie wisse nicht, inwieweit dieser Fehler jetzt wiedergutzumachen sei, meint Charlotte Knobloch im Interview.
In dieser Beziehung ist der ehemalige israelische Botschafter in Deutschland, Shimon Stein im ZDF-Interview schon eindeutiger: [...] “Wir befinden uns im Krieg gegen die Hamas und indirekt gegen den Iran, der in Hamas einen Verbündeten sieht.” [...] Nachdem die Nahost-Situation ohnehin unberechenbar ist, scheint es nicht abwegig, dass “indirekt” plötzlich in “direkt” umschlägt. Wir hoffen es nicht.
Shimon Stein spielt, was seine Botschafterzeit gezeigt hat, gerne den Lehrmeister der Deutschen. Offensichtlich gehört dazu die Belehrung, wenn Stein im Interview sagt: “In Gaza herrscht keine humanitäre Katastrophe”[1]. Das ist blanker Zynismus, der mehr als unpassend ist und nicht akzeptabel.

Es ist schlimm, wenn israelische Bewohner bei einer Raketenbedrohung nur ein paar Sekunden Zeit haben, sich in Sicherheit zu bringen. Aber blendet Charlotte Knobloch nicht etwas aus? Wieviel Zeit hat eine palästinensische Mutter mit mehreren Kindern, um Schutz zu suchen? Wir wissen es nicht. Ausserdem gehen wir nicht davon aus, dass israelische Zeitintervalle in Sekunden oder Minuten etwas anderes sind als palästinensische.

Angst fragt nicht nach Zugehörigkeit

Ja, und leider stimmt es nicht, wenn Charlotte Knobloch behauptet, es gehe um ein Land [Israel], das um sein Überleben kämpfe und man darüber kaum etwas erfahre. Klar, man erfährt nichts, wenn man die Augen verschliesst, aber in deutschen Medien gibt es über die Jahre gesehen genug Quellen, die nicht unbedingt umfassend sind, aber doch einen Einblick in die Ängste der israelischen Bevölkerung geben. Allerdings meinen wir, dass es auf der palästinensischen Seite ebenbürtige Ängste innerhalb der Zivilbevölkerung gibt.

Der “Bürger-Herold” hat bereits an anderer Stelle geschrieben, dass dieser Gaza-Krieg in einem sechzigjährigen Zeitfenster zu sehen ist[2]. Vielleicht lohnt sich der Blick in die Süddeutsche Zeitung auf die sechs Grafiken: Das ist keine Geschichte gemessen an den Quadratkilometern von Verschiebungen, sondern eine Geschichte, die hinter diesen Verschiebungen zwischen 1920 und 2009 steht. Israel war bis heute in vielen Kriegen[3] verwickelt, doch eines haben die Kriege nicht gebracht: den einen Frieden.

Fussnoten:

  1. Keine humanitäre Krise?
  2. Kriege bedeuten immer Macht
  3. Die Kriege Israels

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