Stimmen aus Israel

8. Januar 2009 · Von · Rubrik: Weltkonflikte

Während der Gaza-Krieg voll im Gange ist, vergisst man leicht, dass nicht alles der israelischen PR-Maschinerie folgt.

Skepsis und Kritik

Selbst in Israel gibt es Skepsis. Gerade erreicht uns eine Mail von “Courage to Refuse”[1][2], ein Zusammenschluss israelischer Soldaten, die bei dem Gaza-Krieg nicht mitmachen wollen. In dem Email-Rundbrief heisst es:

[...] The brutal, unprecedented violence in Gaza is shocking. The false hope that this kind of violence will bring security to Israelis is all the more dangerous. We cannot stand aside while hundreds of civilians are being butchered by the IDF. [...]

Die beispiellose Gewalt sei schockierend, heisst es, denn die falsche Hoffnung dieser Gewalt bringe Israel eine Sicherheit, die mehr als gefährlich sei. Man könne nicht beiseite stehen, während Hunderte von Zivilisten von der israelischen Armee niedergemetzelt würden.

Fürs Gewissen
Der fortwährende Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern ist die eine Seite. Darüber wird die Welt diskutieren müssen, wenn eine Weltgemeinschaft überhaupt noch etwas wert ist.
Andererseits darf trotz Empörung in unseren Ländern damit keine Legitimation verbunden sein, Juden anzupöbeln, wie die Basler Zeitung berichtet, oder einen Antisemitismus an den Tag zu legen. Dies ist mit Sicherheit der falsche Weg.

Laut Rundbrief hätten sich mindestens drei Soldaten geweigert, am Gaza-Krieg teilzunehmen und würden dafür den Gang ins Gefängnis antreten. Heute solle eine Demonstration vor dem israelischen Verteidigungsministerium stattfinden.

Keine Lösung in Sicht

Auch sonst herrscht in Israel keine einheitliche Meinung, wie der “Bürger-Herold der “Haaretz” entnimmt[3][4][5][6]. Das schmerzliche Fazit von gestern bleibt, wenn diese Zahlen von BBC News stimmen: 600 Tote auf der palästinensischen Seite, davon über 200 Kinder – fast 3000 Verletzte. Vielleicht sind es weitaus mehr[7].

Lesenswert ist ein Beitrag von Dan Diner, Professor für moderne Geschichte an der Hebräischen Universität Jerusalem, in der heutigen Neuen Zürcher Zeitung. Von einer Lösung des israelisch-palästiensischen Konflikts durch den derzeitigen Gaza-Krieg ist Diner nicht überzeugt, aus einem plausiblen Grund, meint der “Bürger-Herold”:

[...] Grundsätzlich ist das Verhältnis zwischen Israeli und Palästinensern von einer chronischen Konstellation der Nichtanerkennung geprägt. Alles, was dem an politischer Diagnostik widersprechen könnte, ist weitgehend Mimikry. [...].

so Dan Diner (Link im Zitat von uns eingefügt). Wenn man sich jetzt vorstellt, von ein paar Ausnahmen abgesehen, dass dies ein Zustand der letzten 60 Jahre ist, dann fällt es schwer, überhaupt noch Hoffnungen auf Frieden oder einen palästinensischen Staat zu pflegen.

Fussnoten:

  1. Courage to Refuse Calls: Refuse to Shoot at Gaza’s Civilians
  2. Courage to Refuse
  3. A welcome initiative
  4. The mistakes of Cast Lead
  5. Israel’s PR war
  6. Internal IDF paper: Force alone unlikely to topple Hamas
  7. Day 12 of Israeli War On Gaza

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