Ro…Ro…bust?

26. Dezember 2008 · Von ulp · Rubrik: Weltkonflikte

So ist das mit den Agenturmeldungen: kostengünstig und nicht sehr arbeitsintensiv. Der Journalismus der britischen BBC sieht da schon etwas anderes aus.

Zusammengeschnipselt

Der “Bürger-Herold” geht einmal davon aus, dass es sich bei den Seeleuten auf den Fregatten um robuste Menschen handelt. Doch ob die Aufträge, die sie ausführen, ebenfalls robust sind, ist eine andere Frage. “Mit Hilfe eines Bordhubschraubers sind die somalischen Seeräuber vor der jemenitischen Küste in die Flucht geschlagen worden”, so der Teil einer typischen Agenturmeldung beim Schweizer Fernsehen über den gestrigen “erfolgreichen” Einsatz der deutschen Fregatte “Karlsruhe” gegen die Piraterie.

Was allerdings das beigestellte, eiligst zusammengeschnipselte Video soll, ist uns nicht erklärlich. Vermutlich der So-war-es-nicht-Authentizität in 14 Sekunden wegen:

“Hurra!”

“Hurra, in die Flucht geschlagen!”, so der Kern der Meldung. Nicht anders tönt es in ein paar deutschen Medien, zum Beispiel bei der ARD Tagesschau:

[...] Von der deutschen Fregatte stieg daraufhin einer der beiden Kampfhubschrauber auf. Als er am Horizont erschien, stellten die Seeräuber das Feuer ein und zogen ab. [...]

Der Spiegel weiss aufgrund der Agenturmeldungen bereits Genaueres:

[...] Um 8.45 Uhr (MEZ) erreichte der Hilferuf die Fregatten “Karlsruhe” und “Mecklenburg-Vorpommern”. Kurz danach traf der Helikopter der “Karlsruhe” ein – und die Piraten gaben auf. Die Bundeswehr hatte sie in die Flucht getrieben. [...]

Dann war alles anders

Na gut, so ist das mit den Agenturmeldungen: kostengünstig und nicht sehr arbeitsintensiv. Der Journalismus der britischen BBC sieht da schon etwas anderes aus. So berichtet BBC News:

[...] Six Somali pirates were captured by sailors of the frigate Karlsruhe in the Gulf of Aden.

However, the pirates were immediately released on the orders of the German government, officials told the BBC.  [...]

Das heisst, die Piraten seien sofort wieder – nach der Entwaffnung, wie es im Bericht heisst – freigelassen worden, weil eine Festnahme nur dann zulässig sei (siehe BBC-Tondokument), wenn deutsche Interessen verletzt würden. Selbst die Meldung der Bundeswehr erwähnt die Freilassung nicht. Von wegen in die Flucht geschlagen, wobei wir allerdings nicht ausschliessen, dass sich die Piraten dank Fluchthilfe nach der Freilassung schleunigst aus den Wellen gemacht haben.

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