Evangelikales Husarenstück

22. Dezember 2008 · Von · Rubrik: Gesellschaft

“Die Evangelische Alilianz in Deutschland” dramatisiert eine Story zweier Schreiber der Schülerzeitschrift “Q-rage” und übt sich im Angriff.

Gekünstelte Aufregung

Nein, der “Bürger-Herold” kann es nicht sagen, in welcher mittelalterlichen Periode er sich zurückversetzt fühlt. Proben Evangelikale den Aufstand? Oder geht es lediglich um verletzte Mimosen? Beide Fragen könnten wir mit “Ja” beantworten, als wir den “Spiegel”-Beitrag Evangelikale führen Kreuzzug gegen Schüler-Autoren gelesen haben.

[...] Der bizarre Kreuzzug zeigt den neuen Machtanspruch christlicher Hardliner. [...],

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Titelbild von Q-rage 4/2008 (Quelle:Q-rage)

schreibt “Spiegel”. Nein, im vorliegenden Fall würden wir nicht eine solche Schlagzeile liefern. Denn hier handelt es sich um nervös gewordene christliche Gruppierungen, die nicht wissen, wie sie mit Meinungen Anderer umgehen sollen. Das heisst, im Endeffekt dramatisiert “Die Evangelische Alilianz in Deutschland”[1] eine Story zweier Schreiber der Schülerzeitschrift “Q-rage” und übt sich im Angriff.

 Seltsames Rutenschwingen

Die evangelischen “Mimosen” vergessen vollständig, dass ihre öffentliche Argumentation am Platz ist. Stattdessen schwingen sie andere Ruten, indem sie von Rücktritt[2], Klärungsbedarf[3], Verleumdung[4] und Wiedergutmachung[5] schwafeln. Typische Reaktionen, meint der “Bürger-Herold”, dem Austausch konträrer Meinungen aus dem Wege zu gehen, damit die Deutungshoheit nicht verloren geht.

Wir haben den Beitrag “Die evangelikalen Missionare” gelesen (hier ein Download einer lesbaren PDF-Grafik – 1,4 MB). Es ist ein Beitrag, der sogar im “Spiegel” Platz gehabt hätte. Eine Provokation? Mitnichten, aber eine Hinterfragung christlicher Monsterveranstaltungen[6] und Gruppierungen, wie sie auch in anderen Publikationen erfolgt ist[7][8].

Politische Bildung wegfördern

Unter anderem sollte die hinterfragte Veranstaltung “politische Bildung fördern”. Aber wahrscheinlich ist nur die politische Bildung nach Façon der Veranstalter gemeint gewesen, jedoch nicht jene der Bundeszentrale für politische Bildung, der sie jetzt den Garaus machen wollen. Dies spricht nicht für die Bundeszentrale[9][10]:

[...] Denn nach einem heftigen Protest der Deutschen Evangelischen Allianz bei den politisch Verantwortlichen haben die Drähte auf höchsten Ebenen geglüht  und innerhalb weniger Stunden hat sich der Präsident der Bundeszentrale von dem Artikel distanziert und entschuldigt. [...],

schreibt die Allianz. Was für ein heldenhafter Sieg mit dem Drähteglühen, wobei es doch eher um einen Allianz-Kurzschluss geht. Das mit den “Steuerzahler-Kosten” finden wir echt witzig, nämlich aus einer Richtung zu hören, die selbst teilweise von Steuergeldern lebt. “Schüler zu Duckmäusern”, schreibt Stefan Niggenmeier treffend und stellt über die “hypersensiblen und hyperaggressiven Evangelikalen” eine Menge Fragen.

Fussnoten:

  1. Die Evangelische Allianz in Deutschland
  2. Nach umstrittener Veröffentlichung in Schülerzeitung “Q-rage”
  3. Hartmut Steeb: Weiter Klärungsbedarf in “Q-rage”-Debatte
  4. Verleumdung auf Steuerzahler-Kosten
  5. Evangelikale erwarten Wiedergutmachung für Rufschädigung
  6. Christival
  7. Umstrittenes “Christival” beginnt
  8. Gestörte Harmonie: Die Kontroverse um den Jugendkongress Christival
  9. Kotau vor Christen-Fundis
  10. Bundeszentrale knickt ein

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