Weniger netto für die CSU

30. September 2008 · Von · Rubrik: Politik

Mit mehr Netto für die bayerische CSU ist nichts geworden – erster Griff zum Hut.

Nachsitz statt Vorsitz

Slapsticks sind aus billigen, lustigen Seifenopern bestens bekannt, die sehr häufig in abgegriffener Körperkomik enden, etwa wenn die Sahnetorte durch die Gegend fliegt. In der billigen Politik ist das ähnlich: Sie sind Seifenopern mit X Folgen. Gerade hat die bayerische CSU ihre Soap “50 plus x” hingelegt, in der Hauptrolle der Huber Erwin und der Beckstein Günther. Ein Glück haben die beiden nicht in Köln agiert, sonst wären sie nämlich glatt zur Konkurrenz von “Tünnes und Schäl”[1] gekürt worden.

Jetzt klappern Huber und Beckstein ihre Slapsticks ab. Erwin Huber (CSU), der bereits seinen Hut vom Haken genommen hat, übt seinen verbalen Slapstick ein, weil er noch eine Rechnung mit der Geschichte zu begleichen hat. Dort will er wenigstens seinen Platz haben, gewissermassen ein Nachsitz statt Vorsitz. Und wie macht das Huber? Mit Impulsen, die er nach eigenen Angaben gegeben haben will. Der Focus zitiert:

[...] Mit dem Steuerkonzept „Mehr Netto für alle“ habe ich Impulse im Sinne christlich-sozialer Politik gesetzt, die weit über meine Amtszeit hinaus wirken werden. [...]

Schrumpf-Impuls

Keine Angst, werte Leser, beim obigen Zitat handelt es sich lediglich um einen Huberschen verbalen Slapstick, um der Nachwelt wenigstend etwas zu hinterlassen. Mit mehr Netto für seine Partei ist nichts geworden. Weniger Netto sind es, weil das Brutto brutalstmöglich zugeschlagen hat und die CSU zur Mitregierpartei geschrumpft ist. Hubers Impuls für die Steuern ist Theorie, Hubers Impulse fürs Schrumpfen der CSU gehören zum praktischen Teil.

Allerdings gehört zu den Schrumpf-Impulsen noch ein anderer Teil, den wir als wesentlicher erachten. Die bayerischen Wähler haben den wichtigsten Impuls geliefert, eine erzwungene Schrumpfung einzuleiten. Die CSU kann sich trösten, sie bleibt die grösste Fraktion und kann sich an den Strohhalm der Zukunft klammern, wieder zu erstarken. Aber nur vielleicht, denn bei den Wählern, scheint uns, ist etwas in Bewegung geraten, z. B. am letzten Wahlsonntag dem künstlichen Mythos der CSU einen vollen Schuss in den Bug zu verpassen.

Fussnoten:

  1. Tünnes und Schäl

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