Meine und Deine Meinung

1. September 2008 · Von ulp · Rubrik: Gesellschaft

Gesellschaftliche Entwicklungen jenseits des Teiches gehören auch in Europa längst zum Alltag.

Europa hat es nicht besser

Wenn der “Bürger-Herold” einen Beitrag weiterempfiehlt, heisst das noch lange nicht, dass wir inhaltlich ganz einverstanden sind. Immerhin: Ludmila Carone, Planetologin, wirft in diesem Beitrag eine Menge interessanter Fragen auf. Einleitend schreibt Carone:

[...] Mit Besorgnis blicke ich über den großen Teich. Denn wenn es stimmt, dass gesellschaftliche Entwicklungen mit Verzögerung irgendwann hier in Europa ankommen, dann gute Nacht. [...]

Die Besorgnis können wir teilen, aber nicht wegen “dann gute Nacht”. Aber wegen der vielen Entwicklungen, die bereits (teilweise) zu unserem Europa herübergeschwappt sind. Wir befürchten sogar, dass sich Carones Erwartungen – diese haben wir auch – nicht erfüllen werden.

Es gibt zu viele Beispiele auf unserer Seite des Teiches, die zeigen, wie Politiker das Fussvolk gerademal als nützlich betrachten bis sie die Oberhand oder die Macht haben. Der Rest ist dann nur noch die Berieselung des “dummen” Fussvolkes, um sie bis zur nächsten Wahl bei der Stange zu halten. In diesem Zusammenhang erinnern wir an den Wahlkampf der Schweizerischen Volkspartei (SVP)[1] des letzten Herbstes. Oder seinerzeit die gemeinsamen PR-Aufführungen von Angela Merkels “Kompetenz-Team”.

Nicht ganz so einfach

Weiter schreibt Frau Carone:

[...]  Wie kann man glauben, dass “ich hab mal da was in der Zeitung und im Fernsehen gesehen” auch nur annähernd gleichwertig ist zu einer fundierten Meinung, die auf einer jahrelangen Ausbildung und Berufserfahrung beruht? [...]

Moment, so einfach ist es nicht! Eine Meinung ist eine Meinung, also individuell und besitzanzeigend – ein subjektives Recht[2], wie der vorliegende Beitrag von Ludmila Carone oder unserer. Wir wollen nicht über die Gleichwertigkeit diskutieren, aber wir müssen nicht unbedingt jahrelange Ausbildung und Berufserfahrungen besitzen, um zur Meinungsbildung zu kommen. Man kann Meinungen bis zu dem Punkt als gleichwertig betrachten, an dem es zum Meinungsaustausch kommt und nur die Argumente zählen. Ja und was ist, wenn wir mal was aus Zeitung oder Fernsehen etwas aufschnappen? Dass kann bereits die Geburtsstunde einer Meinungsbildung sein.

Falsch und richtig

Der “Bürger-Herold” kann Ludmila Carones Frage

[...] Was ist denn das für ein Form von falsch verstandener Meinungsfreiheit? [...]

sehr gut verstehen. Nur: Wann ist es eine “falsch verstandene Meinungfreiheit”? Bestimmt nicht dann, wenn jemand mit kuriosen Meinungen aufkreuzt. Auch dann nicht, wenn die Gesellschaft schweigt und niemanden wehtun will. Gewiss, die Meinungsfreiheit wird manchmal so stark strapaziert, so dass wir nur noch unsere Augen verdrehen können. Falsch verstanden ist die Meinungsfreiheit dann, wenn Meinungsinhaber die bekannten Grenzen überschreiten oder an den Grenzen kitzeln, wie Rassismus, Diskriminierung usw. Oder dann, wenn die Meinungsfreiheit zum Kampf der Meinungshoheit ausartet, wie Zensur, Meinungsunterdrückung oder bewusste Ausblendung von Meinungen[3][4].

Fussnoten:

  1. SVP & Co.
  2. Meinungsfreiheit
  3. Die Behandlung des Putin-Interviews in der ARD – Platz 1 der „Manipulation des Monats”
  4. Das Interview

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Ein Kommentar
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